Molly Nilsson - "Twenty Twenty" (Night School Records)

Das neue Album "Twenty Twenty" (Night School Records) von Molly Nilsson nahm seinen Anfang, als die in Berlin lebende Songwriterin, Produzentin und Sängerin aufgrund eines abgesagten Flugs auf Tour eine Nacht am Flughafen von Tokio strandete. In dieser superkonsumistischen Neon-Umgebung brannte sich ihr im Halbschlaf ein Werbeplakat für die Olympischen Sommerspiele 2020 ein. Wie wird die Welt in vier Jahren aussehen? Um diese Frage scheint nicht nur das Eröffnungsstück "Every Night Is New" zu kreisen. Darin singt die 33-Jährige über eine "late capitalist night" in "pre-apocalypse times". Die Synthesizer leiern ein wenig, weswegen man an John Maus denken könnte, aber die Melodien und Refrains sind weniger dystopisch, klingen eher hymnisch-erbaulich. Im Intermezzo "My Mental Motorcycle" interpretiert sie Dudel-Muzak, wie sie an Flughäfen aus den Lautsprechern dringt, zu etwas sehr Schönem um. Von Jan Kedves

2. November 2018, 05:062018-11-02 05:06:47 © SZ.de/doer