Yung Lean - "Poison Ivy" (Year0001)

Eine andere Form der nicht ganz so geradeaus performten Männlichkeit verkörpert Jonatan Leandoer Håstad alias Yung Lean. Der ist erst 22, aber schon ein Elder Statesman in jenem populären Rap-Genre, in dem sich "sad boys" mit allen möglichen Narkotika und Antidepressiva so zunebeln, bis ihre Trap-Beats völlig verschlurft klingen - wozu dann auch die autoaggressiven Auto-Tune-Lyrics und molligen Emo-Soundwolken gut passen. Der gefeierte Wiener Rapper Yung Hurn hat sich von dieser Ästhetik eine ganz dicke Scheibe abgeschnitten. "Poison Ivy" (Year0001) heißt das neue Mixtape von Yung Lean. Im ersten Track "Happy Feet" imaginiert sich der in den USA lebende schwedische Rapper als wandelnder Toter. In "French Hotel" geht es darum, dass er von den Pillen und den Drinks ja eigentlich runter ist - und trotzdem findet er sein Ende in der Badewanne eines französischen Hotels. Ausgestellte Kaputtheit ist das eine, sie kann sehr unterhaltsam sein, und manchmal durchaus tröstend. Aber bitte nicht auch noch Yung Lean! Mit Lil' Peep und Mac Miller sind in der jüngeren Vergangenheit schon zu viele junge Rap-Talente an den Drogen zugrunde gegangen. Von Jan Kedves

2. November 2018, 05:062018-11-02 05:06:47 © SZ.de/doer