Julia Holter - "Aviary" (Domino Records)

Dass es Julia Holter mit ihrer Musik mal in die Charts schaffen würde, war nicht so zwingend klar. Als sie vor sieben Jahren auftauchte, verarbeitete die Amerikanerin auf ihrem ersten Album gleich Euripides zu anspruchsvollen Klangcollagen. Da steckte zwar auch Pop drin, vor allem aber Klassik und viel Experiment. Kein Wunder, Julia Holter hat einen Abschluss in Elektronischer Musik am California Institute of the Arts, wir reden hier also eher nicht von ABBA. In den folgenden Jahren wurde ihre Musik zugänglicher, eine Art Sphärenpop mit Björk-Momenten, der auch in England und Deutschland Fans fand. Ihr neues Album "Aviary" (Domino Records) macht es diesen Fans allerdings wieder schwerer: Musik, bei der man automatisch zum Programmheft greifen will, manches klingt wie das stimmende Orchester vor Beginn der Oper, dann wieder sirren die Synthesizer, ein ständiges Dröhnen und Raunen aus dunklen Klangschichten, fließend, schwebend, nur selten in Form klassischer Songs, dazwischen aber immer wieder plötzliche Momente der Schönheit. Wenn Kate Bush sich "Aviary" anhört, wird sie Julia Holter möglicherweise adoptieren wollen. Von Max Fellmann

26. Oktober 2018, 05:212018-10-26 05:21:28 © SZ.de/doer