Alben der WocheEin Mensch, kein Paradiesvogel

Boy George und Culture Club spielen genauso naive und wichtige Musik wie einst. Und Thom Yorke von Radiohead macht jetzt schnarrende und knarrende Soundtracks für Horrorfilme.

Robyn - "Honey" (Konichiwa Records)

Herrlich, diese Synthesizer-Arpeggios! Wie sie durch den Hallraum perlen und sich fein verzwirbeln wie DNA-Stränge. So steigt "Honey" (Konichiwa Records) ein, das neue Album der Schwedin Robin Miriam Carlsson alias Robyn. "Missing U" heißt der Song, und danach wird das Album nur noch besser, schöner, melodiöser, kitschfreier, spaßiger. Robyn ist im Pop eine einzigartige Figur: eine Frau, die in jungen Jahren als das startete, was man gemeinhin Pop-Marionette nennt, und die sich danach geschäftlich unabhängig machte, um musikalisch aber eben nicht in Indie-Klischees zu verfallen, sondern nahtlos an großen Pop mit Charts-Anspruch anzuknüpfen. "Because It's In The Music" könnte ein neuer ABBA-Song sein, den man auf einem Flipper eingespielt hat. "Send To Robyn Immediately" ist ein träumerischer Slow-House-Track, der auf einem heruntergebremsten Sample aus dem alten Stöhn-Clubhit "French Kiss" von Lil' Louis basiert. "Beach 2k20" ist ein alberner Party-Song, den man aber schon vor der Party hört, um sich in Stimmung zu bringen. So spontan alles wirkt, so sehr ist in den Details zu hören, dass Robyn sich zur Perfektionierung Zeit gelassen hat. So wie man es vermutlich nur dann kann, wenn man zu den eigenen Bedingungen arbeitet. Von Jan Kedves

Bild: Konichiwa Records 26. Oktober 2018, 05:212018-10-26 05:21:28 © SZ.de/doer