Mag sein, dass es noch ein bisschen früh ist, um einen anthropologischen Begriff für unsere Zeit zu finden, aber der Essayist Thomas L. Friedman hat dazu immerhin einen interessanten Vorschlag gemacht: Polyzän. Der Mensch erscheint im Polyzän als ein von multiplen Krisen und Kriegen überwältigtes Fragezeichen. Er muss sich mit lange überwunden geglaubten imperialistischen Macht- und Einflussrealitäten auseinandersetzen, mit in Windeseile sich etablierenden Autokratien befassen, allesamt Zumutungen, die dem alten, immer schon reichlich naiven Glauben an die Stärke der Demokratie allmählich das Licht ausdrehen. Hinzu kommen die unablässig sämtliche Grenzen der Vorstellungskraft berührenden Ausmaße der künstlichen Intelligenz, die julesvernehaften Fieberfantasien von kommenden Techniken zur Niederstreckung der Menschheit. All dies sind Szenarien und gedankliche Voraussendungen einer unbehaglichen Zukunft, die sich allerdings schon erschreckend oft mit der Gegenwart verlinkt.
MeinungDebatteDeutsche, lernt von Amerika
Von Hilmar Klute
Lesezeit: 6 Min.

Eine Abordnung Berliner Progressiver schwadronierte neulich in Zürich von Cancel-Culture in der BRD. Lernen könnten sie von den Intellektuellen in den USA: Hier wird nicht gejammert in Wutbehaglichkeit, hier geht es ums Überleben.
