Pokémon-Sammelkarten16,5 Millionen Dollar für Pikachu

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Logan Paul mit der Millionen-schweren Pokémonkarten-Kette.
Logan Paul mit der Millionen-schweren Pokémonkarten-Kette. loganpaul/Instagram
  • AJ Scaramucci kauft eine seltene Pikachu-Sammelkarte von Influencer Logan Paul für 16,5 Millionen Dollar.
  • Logan Paul hatte die Karte 2021 für 5,3 Millionen Dollar erworben und trug sie an einer diamantenbesetzten Goldkette.
  • Pokémonkarten sind zu einem millionenschweren Anlageobjekt geworden, was zu Diebstählen und Verkaufsstopps in Geschäften führt.
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Man könnte sich für diese Summe eine Villa in Grünwald kaufen – AJ Scaramucci, Sohn des Zehn-Tage-Trump-Sprechers Anthony Scaramucci, entschied sich für eine Pokémonkarte an einer Goldkette. Glücklicher Verkäufer ist der US-Influencer Logan Paul.

Von Luca Viglahn

Vor ungefähr 20 Jahren noch waren Pokémonkarten höchstens Gegenstand brisant-zwielichtiger Pausenhofdeals („Dein Glurak gegen mein Schiggy und zwei Hanutas“). Doch inzwischen sind nicht nur schlitzohrige Fünftklässler an den Karten interessiert, sondern auch millionenschwere Promis und Risikokapitalanleger.

Der amerikanische Influencer, Energydrinkunternehmer und Profi-Wrestler Logan Paul bezahlte 2021 fast 5,3 Millionen Dollar für eine „Pikachu Illustrator“-Karte, die er fortan ständig an einer diamantenbesetzten Goldkette um den Hals trug. Von der Karte existieren weltweit nur 39 Exemplare, keines davon befindet sich angeblich in so gutem Zustand wie jene von Logan Paul.

Das hat dieser sich nun zunutze gemacht und die Karte samt Goldkette selbst wieder verkauft: für rund 16,5 Millionen Dollar an AJ Scaramucci. Der neue Eigentümer ist vor allem als Sohn von Trumps ehemaligem Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci bekannt, der 2017 nach nur zehn Tagen im Amt entlassen wurde. AJ Scaramucci kündigte an, sich in Zukunft weiter dem Sammeln seltener Gegenstände zu widmen. Als Nächstes wolle der 33-Jährige ein T-Rex-Skelett kaufen.

Sammler und Fachgeschäfte werden vermehrt Opfer von Verbrechen

Man darf davon ausgehen, dass er die Karte nicht gekauft hat, um beim nächsten Spieleabend seine Freunde abzuzocken, sondern sie als Anlageobjekt betrachtet. Pokémonkarten sind schon seit Jahren Gegenstand eines Hypes, der die Preise von seltenen oder besonders hübschen Karten in schwindelerregende Höhe schießen lässt. Damit sind sie, wie schon „NFTs“ oder „Prediction Markets“, quietschbuntes Symptom jenes Trends, auch jeden letzten Winkel menschlichen Lebens in Kapitalmarktlogiken zu quetschen.

Die Jagd auf möglichst ausgefallene Pokémonkarten lässt sich auch in Spielzeugläden beobachten, in denen neue Karten oft schon nach kürzester Zeit ausverkauft sind. 2021 setzte der US-amerikanische Einzelhändler Target den Verkauf der Karten sogar für einige Zeit vorsichtshalber aus, weil der Ansturm auf neue Karten so massiv geworden war. Gleichzeitig sorgt der steigende Wert der Karten immer häufiger auch dafür, dass Sammler und Fachgeschäfte Opfer von Verbrechen werden. Erst vergangenen Monat berichtete die New York Times von einem Einbruch in ein Sammelkartengeschäft, bei dem Karten im Wert von rund 110 000 Dollar gestohlen worden seien.

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Logan Paul wurde 2013 auf der Kurzvideoplattform Vine weltberühmt. Später wechselte er zu Youtube, wo ihm inzwischen über 20 Millionen Abonnenten folgen. In der Vergangenheit stand er vor allem für groß inszenierte Boxkämpfe in den Schlagzeilen, so kämpfte er etwa gegen den ehemaligen Boxweltmeister Floyd Mayweather. Inzwischen tritt er regelmäßig bei der größten amerikanischen Wrestling-Federation WWE auf. Bekannt ist er aber auch für etliche Skandale. So postete er 2017 etwa einen Videoblog, in dem er sich über ein Suizidopfer lustig machte, das er zuvor im Wald entdeckt hatte. Auch wegen verschiedener NFT- und Kryptowährungsprojekte stand er zuletzt in der Kritik.

Die ersten Pokémonkarten wurden 1996 in Japan veröffentlicht, in Deutschland kamen sie 1999 auf den Markt. Gemeinsam mit den Videospielen und der Anime-Fernsehserie entwickelte sich Pokémon schnell zum umsatzstärksten Medienfranchise in der bisherigen Geschichte, noch vor Mickey Mouse und Star Wars. Inzwischen wurden weltweit mehr als 30 Milliarden Karten verkauft.

Vom Goldrausch angesteckt, mag sich manch einer beschwingt fühlen, auf örtlichen Flohmärkten stundenlang durch alte Sammelkartenordner von nichts ahnenden, möglicherweise längst erwachsenen Nachbarskindern zu wühlen, oder verstaubte Umzugskartons im eigenen Keller nach schimmernden Glurakkarten aus erster Edition zu durchsuchen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass im Goldrausch meist nicht Goldgräber, sondern Schaufelverkäufer das meiste Geld verdienten. Für den Rekordverkauf der Logan-Paul-Karte soll das Auktionshaus Goldin Auktionsgebühren von fast 3,5 Millionen Dollar eingestrichen haben.

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