Podiumsdiskussion Die Macht der Macher

Eine Haltungsfrage: Valerie Niehaus plädiert für Solidarität.

(Foto: Ruodlieb Neubauer)

Bei "Snowdance" debattieren Filmschaffende über MeToo

Von Yvonne Poppek, Landsberg am Lech

Für die schöne Frau hat Jake ein bisschen böser Gott gespielt. Eines Tages hat der Architekt die Blondine in der Wüste gefunden. Sie hat ihr Gedächtnis verloren - und Jake macht sich das zunutze, indem er sie zu seiner Ehefrau erklärt und sich so sein eigenes ideales Lebendspielzeug formt. Dimitri de Clercq dekliniert in seinem Film "You Go To My Head" diese besondere Spielart von Machtmissbrauch durch, quasi ideal für das diesjährige "Snowdance Independent Filmfestival" in Landsberg am Lech, das mit Clercqs Beitrag eröffnet wurde und das nun am Sonntag zu Ende ging. Denn so sehr man sich bei diesem heimeligen Festival in den Armen liegt, so nähert man sich hier doch auch den unbequemen Themen. Und so ging es eben diesmal um den "Machtmissbrauch beim Film".

Schon im vergangenen Jahr hat Festivalleiter Tom Bohn damit begonnen, an einem "Landsberger Manifest" zu schreiben. In mehrere Foren wurden damals die Anliegen der Independent-Filmer zusammengetragen. Diesmal sollte es ein Thema sein, das die gesamte Filmbranche betrifft - und nicht nur die Independent-Szene, die sich in Landsberg zum sechsten Mal versammelt hatte. Welche Macht haben die Gatekeeper? Wo gibt es Machtmissbrauch im System? Was hat die Branche aus der MeToo-Debatte gelernt?

Es sind natürlich Themen, die vorwiegend die Filmemacher und Schauspieler selbst interessieren. Dennoch holt Snowdance sie in die Öffentlichkeit, diskutiert sie im wunderschönen Saal des Historischen Rathauses, vor wenig, aber beherztem Publikum, unter das sich immer wieder auch bekannte Persönlichkeiten mischen. Die Podien sind interessant besetzt, etwa mit Drehbuchautor Christian Lex und Schauspieler Roberto Guerra. Oder mit den beiden Schauspielerinnen Valerie Niehaus und Beate Maes. Und sie nutzen ihre Möglichkeit, ihre Ideen für eine bessere Filmbranche zu formulieren.

Gerade in der Frage bei MeToo zeichnet sich dabei deutliches Verbesserungspotenzial ab: Gleich drei junge Frauen melden sich im Publikum zu Wort, berichten von sexueller Übergriffigkeit am Set. Maes erzählt, dass sie einst anonym mit der Zeit über einen sexuellen Annäherungsversuch Dieter Wedels gesprochen habe. Niehaus, die nach eigenem Bekunden nie derart bedrängt wurde, hält es für wichtig, sich solidarisch zu zeigen, hinzuschauen, Haltung einzunehmen. "Arsch hoch, Zähne auseinander", formuliert sie das. Ulrike Folkerts, diesjährige Schirmherrin von Snowdance, plädiert dafür, die Passivität aufzugeben. Und sie ruft den Film-Nachwuchs auf, sich an Leute wie sie zu wenden, wenn sie in Not sind. "Ich habe Macht am Set, ich kann etwas tun", sagt sie.

Einen Impuls, das ist nach den Diskussionen klar, soll Snowdance der Branche geben. Um sie besser zu machen. Und natürlich auch, um sich selbst stärker zu präsentieren - was es mit den sehenswerten, schrägen, lustigen, anders gedachten Filmen der unabhängigen Künstler, die doch auch viel von Macht erzählen, ohnehin schon tut.