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Plattenkabinett:So lässig geht es auch

Gianna Nannini

Klingt nicht zeitgenössisch, aber kräftig: Gianna Nannini.

(Foto: Jean Baptiste Mondino)

Weihnachtszeit ist Cover-Platten-Zeit. Gianna Nannini krächzt italienischen Superhits neues Leben ein und erinnert daran, wie schön Italien vor Berlusconi war. Neue Alben im Plattenkabinett.

Wenn Gianna Nannini sich vornimmt, die großen Klassiker der italienischen Popgeschichte nachzusingen, dann ist eines klar: Im Mondschein an der Mandoline gezupft wird da nicht und die "musica dolce" von "Volare" wird ganz so süß nicht sein.

Für ihr neues Album "Hitalia" hat Nannini 17 populäre Lieder gecovert. Nicht alle sind so kaputtgeliebt wie "Volare" oder so harmlos wie "O sole mio". Das Eingangsstück "Dio è morto" ist eine Hymne gegen den Konformismus, von der Band Nomadi in den friedensbewegten Sechzigerjahren bekannt gemacht. Die Verbeugung vor der italienischen Musik soll bei Nannini keine unkritische Angelegenheit sein: Auch wenn eine Platte mit Greatest-Hits-Konzept wie diese unmissverständlich auf das Weihnachtsgeschäft hin kalkuliert ist.

Raue Klassiker

Musikalisch strotzt "Hitalia" nicht gerade vor Originalität. Da sind die erwartbaren E-Gitarren, ein paar pathetische Streicher und, ganz gewagt, ein kurzer Kirchenchor-Auftritt in "Dio è morto". Richtig zeitgenössisch klingt das nicht. Kraft hat es trotzdem. Denn Nannini eignet sich die Klassiker an, raut sie ordentlich auf und gleitet nie ins Süßlich-Nostalgische ab.

Mit ihrer berühmten krächzenden Stimme steht Gianna Nannini ja gerade für etwas, das verschüttet ist, und das man gern zurück hätte: für das raue, rebellische Italien, nicht das liebliche Urlaubsland. Und für etwas lebensfroh Widerständiges, das über all den Bildern von leichtbekleideten Fernsehmoderatorinnen und Berlusconi-Gespielinnen in Vergessenheit geraten ist.

Wenn man Gianna Nanninis Stimme röhren hört, dieses leidenschaftliche Ansingen gegen die Schlechtigkeit der Welt, dann weiß man wieder: So lässig kann man sein als Frau im Popgeschäft. So egal kann es sein, ob man dem glatten, niedlichen, dem ungefährlichen Ideal entspricht. Berlusconi ist gerade nicht Ministerpräsident. Auf nach Italien.

  • Wenn das Album ein Kleidungsstück wäre, dann wäre es: eine etwas zu große Lederjacke.
  • Wenn das Album eine Software wäre, dann wäre es: eine zum Rückgängigmachen von Photoshop-Bearbeitungen.
  • Dieses Album ist genau das Gegenteil von: einer Victoria's-Secret-Show.

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