Plattenkabinett Tricky - Adrian Thaws

Und noch so einer, der kraft seines musikalischen Genies Genres einschmelzen kann und aus dem so gewonnenen Grundstoff etwas Eigenes erschafft. Tricky ist, im Vergleich zu Sinkane, allerdings bereits sehr lange dabei.

Seit drei Jahrzehnten macht der Trip-Hop-Pionier Musik, wurde als Teil von Massive Attack zum Weltstar, etablierte den "Bristol Sound" auf der Weltkarte des Pop. "Adrian Thaws" ist sein elftes Studioalbum. Der Name führt dabei in die Irre. Denn mit Adrian Thaws, seinem bürgerlichen Namen, hat Tricky sein wohl bislang unpersönlichstes Album aufgenommen.

In Statements dazu hat Tricky genuschelt: "Ihr kennt mich nicht! Ich wachse ständig." Schon klar. Aber gar nicht wichtig. Wichtiger ist, dass Tricky sich und seine Probleme für dieses Album offenbar etwas besser in den Griff bekommen hat. Keine selbstzerstörerische Introspektion mehr, langweiliges Problemewälzen, keine Aggressionen nach außen und - laut Selbstauskunft - weniger Marihuana. Adrian Thaws wurde so zum fokussiertesten, konzentriertesten Tricky-Album seit langer Zeit - ohne die Vergangenheit auszusperren. Der Hip-Hop-Track "Gangster Chronicles" beinhaltete zum Beispiel ein Sample aus Massive Attacks berühmtem Track "Unfinished Sympathy".

Lange Gästeliste

Die Atmosphäre ist dabei Tricky-typisch: dunkel, elegant, brüchig, verführerisch, manchmal klaustrophobisch. Unter diesen sonischen Überbau passen clubtaugliche House Tracks ("Nicotine Love") genauso wie Hip-Hop ("Why Dont You", "Gangster Cronicles"), elektronische Experimente mit politischem Anliegen ("My Palastine Girl"), verzichtbarer Zeitlupen-Reggae ("Silly Games") und natürlich Trip-Hop, mal sanft ("Sun Down"), mal relaxt-bluesig und trocken ("Keep Me In Your Shake").

Die Gästeliste ist lang: sieben verschiedene Rapper, Sängerinnen, Sänger, Produzenten und Musiker hat er sich ins Studio geholt: Francesca Belmonte, Nneka, Mykki Blanco, Bella Gotti, Tirzah, Blue Daisy und Oh Land. Tricky schafft es, diese verschiedenen Persönlichkeiten, deren Eigenständigkeit, seinen Vorstellungen untertan zu machen - ohne sie auszulöschen.

Nach einigen enttäuschenden Alben ist der damit wieder da, setzt wieder Impulse. Tricky hat die monotone Ruhelosigkeit der vergangenen Jahre wieder in Produktivität verwandelt.

Wenn das Album ein Getränk wäre, dann wäre es ein Jahrgangs-Portwein.

Wo man das Album auf keinen Fall hören sollte: auf einer Kreuzfahrt.

Wäre das Album ein Teil eines Hauses, es wäre am ehesten der alte Heizungskeller.

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