Plattenkabinett:Jhené Aiko - "Souled Out"

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Es passiert nun auch nicht jeden Tag, dass eine PR-Agentur so überzeugt von einem Debütalbum ist, dass sie es nicht wie üblich nur als "R'n'B-Sensation" bewirbt, sondern per Post gleich an zwei Adressen schickt, um sicherzugehen, dass der Journalist es nicht übersieht. Doch Jhené Aiko ist keine Unbekannte, sie ist seit vielen Jahren im Geschäft, hat mit wohlklingenden Namen wie Lauryn Hill, NAS, Drake und Kanye West zusammengearbeitet.

Wer nun aber eine Beyoncé-Kopie erwartet, liegt falsch. Musikalisch liegt Aiko viel näher beim "New R'n'B". Ihr Stil erinnert stark an Frank Ocean, über dessen Konzert ein Kollege voller Begeisterung schrieb, er beschwöre den Nichtvollzug und verweigere sich der Extase. Eine Feststellung, die sich eins zu eins auf Aiko übertragen lässt.

"Souled Out", das ist R'n'B in Zeitlupe, eine verträumte Reise ins Nichts. Das Album wird wohl keine Airplay im Radio bekommen, dazu hat es zu wenig Beat, lange Instrumentalpassagen, und in "Promises" lässt Jhené Aiko ihre Tochter den Refrain singen. Das führt zu einer Mischung, die einem zwar nicht im Ohr bleibt, dafür aber sanft einschlummern lässt. Das ist in dem Fall ein Kompliment.

Wem sollte man dieses Album schenken? Der Freundin, für gewisse Stunden. Oder dem Tantra-Masseur.

Wenn dieses Album ein Fahrzeug wäre, wäre es: ein BMW i3.

Dieser Song muss auf mein nächstes Mixtape: "To Love & Die".

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