Plattenkabinett Hercules & Love Affair - The Feast Of The Broken Heart

Das dritte Album von Hercules & Love Affair. Das dritte Album des New Yorkers Andrew Butler. Butler ist Hercules & Love Affair. Er umgibt sich nur immer wieder mit neuen Gästen, mit neuen meist queeren Sängerinnen und Sängern. Deshalb klingt die Band immer unverwechselbar und gleichzeitig immer frisch. Hercules & Love Affair sind ein sich immer wieder selbst erneuerndes Exzess-Experiment. Zu bestaunen auch auf dem neuen Album "The Feast Of The Broken Heart". Diesmal sind es der umjubelten Crooner John Grant, der in dem Song "I Try To Talk To You" erzählt, wie er HIV-positiv wurde. Dazu Rouge Mary, Gustaph und Krystle Warren.

"The Feast Of The Broken Heart" ist wieder eine Huldigung. Eine Huldigung an Disco und frühen House. Butler wollte ein härteres Album, ein House-lastigeres machen. "I didn't want polite, I wanted aggressive," sagt er selbst. Die Beats sind trockener, abgerissener, effektiver als bei den ersten beiden Alben, sie gemahnen an frühen, minimalistischen Acid-House. Trotzdem finden sich alle Konstanten in Butlers Schaffen wieder: Männerstimmen, Frauenstimmen, Italo Disco, ein bisschen Techno, Elektronika, Pop. Brünftig klingt das. Hechelnd und keuchend.

Butler fühlt sich immer noch dem Geist der schwulen Subkultur verpflichtet. Und diesmal ist die Gay Disco eben ein bisschen ledriger, halluzinogener, dunkler. Tatsächlich ist "The Feast of the Broken Heart" ein Konzeptalbum. Es zeichnet die Dramaturgie der Nacht nach. Der Party. Die Nacht als großes Versprechen - natürlich das Versprechen von Sex. Die Nacht auch als Ort des ganz anderen Lebens. Leben minus Alltag.

Ein so irrsinnig euphorischer Über-Song wie es "Blind" vom ersten Album war, ist allerdings diesmal nicht dabei. Das liegt paradoxerweise daran, dass "The Feast of the Broken Heart" in höchstem Maße mit Energie geladen ist. Doch diese gewaltige Kraft bricht nie auf einmal hervor. Immer nur in Teilen. Zu verästelt sind die Songs gebaut, zu gewitzt die Beats, zu raffiniert die Melodien. Butler produziert Kluges für die Tanzfläche. Funkelnd aber nie billig, jubilierend aber nicht kopflos. Oder: anders als intuitiv. Und von mir kein Wort des Bedauerns.

Wäre das Album ein Kleidungsstück, es wäre ein: Tank Top.

Wenn das Album eine Reise wäre, dann führte sie ins New York vor 40 Jahren.

Dieser Mannschaft drückt das Album bei der WM die Daumen: Costa Rica.

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