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Plattenkabinett:Make love, Brian, not politics

Placebo-Frontmann Brian Molko.

"My computer thinks I'm gay": Brian Molko, Frontmann von Placebo.

(Foto: Joseph Llanes/Universal)

Placebo-Frontmann Brian Molko wird in diesem Leben kein Dichter mehr, die Arctic Monkeys bewerben sich um einen Platz auf der nächsten Kuschelrock-CD und bei MGMT versteckt sich eine Flöte im Sound-Dschungel. Neue Alben im "Plattenkabinett", der neuen Musik-Kolumne von SZ.de.

Brian Molko sieht sich als politischen Musiker, sein Live-Publikum begrüßt er gerne mal mit Fragen wie "Seid Ihr bereit für ein bisschen Rock'n'schwul?" Der Frontmann von Placebo hat sich um die Gleichstellung Homosexueller verdient gemacht, keine Frage. Doch nicht jedes (gesellschafts-)politische Thema eignet sich für Zeilen aus Molkos Feder, davon kann man sich überzeugen, wenn man die neue Placebo-Platte "Loud Like Love" einlegt.

In "Rob The Bank" sinniert er etwa über die Gier von Bankern, das klingt dann aber so, als wenn ein Zweitklässler vorne an der Tafel steht und aufsagt, welche wichtigen Finanzplätze er schon kennt:

"Rob the Bank of England and America/ Rob the Bank of the entire Euro-Zone/ Rob the Bank of Mexico and Canada/ Rob the bank, then take me home./ Make love."

Weiter zählt der Schüler Brian auf: Luxemburg, Monaco und Liktenstein. Zu Facebook (und dem freizügigen Umgang der Nutzer damit) dichtet Molko in "Too Many Friends":

"My computer thinks I'm gay/ I threw that piece of junk away/ On the Champs Elysées/ As I was walking home."

Eh, ja. Brian Molko wird in diesem Leben kein großer Lyriker mehr. Wer nicht auf die Texte achtet, der wird von Loud Like Love aber nicht enttäuscht - zumindest dann nicht, wenn er sich an dem seit 20 Jahren immer gleichen Placebo-Sound erfreuen kann. An Molkos leicht larmoyanter Stimme etwa, der sich die Instrumente wie eh und je unterordnen. Die Band experimentiert wie schon auf "Sleeping With Ghosts", "Meds" oder "Battle For The Sun" mit Elektronischem und versucht sich etwa an einer Thom-Yorke'schen Soundwelt ("Scene Of Crime"). In der Ballade "Bosco", hübsch arrangiert mit Piano und Streichern, besingt Molko die Liebe und den Alkohol, was ihm dann doch besser liegt als das mit diesen Banken. Make love, Brian, not politics.

Wäre das Album ein Schauspieler, dann wäre es: Nicolas Cage.

Wäre das Album eine Mahlzeit, dann wäre es: Ein Miesmuschelrisotto in Weißweinsoße.

Dieses Lied muss auf mein nächstes Mixtape drauf: "Hold On To Me".

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