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Plattenkabinett:Justin kann auch Folk

Timberlake hält Verfolgerin auf Abstand

Besser als Robbie: Justin Timberlake

(Foto: dpa)

Wenn die Coen-Brüder einen neuen Film machen, dann liefert Justin Timberlake für den Soundtrack sogar Folk-Songs. Keane wagen sich an Experimente, aber nur ein bisschen. Einnehmender sind da die Schweden von The Sounds mit ihren WG-Party-Krachern. Neue Alben im "Plattenkabinett", der Musik-Kolumne von SZ.de.

Von Johannes Kuhn

Fies, diese Aufmerksamkeitsökonomie: "Du solltest schon jemanden wie Avril Lavigne oder Celine Dion dabei haben", warnte ein Kollege. Nicht auf der nächsten Kneipentour, sondern als Bestandteil dieses kleinen Plattenkabinetts. Denn sonst, so die inhärente Botschaft, würden sich nur die paar Spex- und Quietus-Leser da draußen auf den Artikel verirren.

Nun wäre genau die richtige Reaktion, genau aus diesem Grund einzig Freejazz-, Weltmusik- und Hardcore-Alben vorzustellen. Dachte ich. Und guckte heimlich, ob schon jemand das neue Robbie-Williams-Album besprochen hat - denn mit irgendeinem Köder müssen die Menschen zu den Experimentalmusikern dieser Welt gelockt werden.

Nun gut, der Kollege Fellmann hat sich schon des Herrn Williams angenommen (Spoiler: sein Eindruck ist gar nicht mal so übel). Aber wer braucht den gestrigen Robbie Williams, wenn er wie ich den äußerst heutigen Justin Timberlake hat?

Okay, Timberlake singt auf dem Soundtrack zu "Inside Llewyn Davis" nur drei Songs, und die nicht einmal alleine. Aber er zeigt damit eine Wandlungsfähigkeit, die ihn schon länger - anders als Williams - aus der Entertainer- in die Musikerecke befördert hat. Und in die Schauspielerecke: JT übernahm in dem Film eine Nebenrolle.

Musik als filmisches Zentrum

Das alleine würde noch nicht reichen, diesen Soundtrack zu empfehlen: Aber zum einen handelt es sich ja nicht um irgendeinen Film, sondern um das neue Werk der Coen-Brüder (Kinostart 5. Dezember), das sich mit dem Leben des erfolglosen New Yorker Folk-Musikers Llewyn Davis beschäftigt.

Zum anderen ist die Musik mehr als Untermalung für den Film, sondern das Zentrum. Auf dem Album singt Hauptdarsteller Oscar Isaac selbst auch Folk-Balladen (nicht charismatisch, aber schön melancholisch), dazu kommen Genre-Heroen wie Bob Dylan oder der verstorbene Dave van Ronk, der Vorbild für die Hauptfigur ist. Sein Geheimklassiker "Green, Green Rocky Road" ist mein persönlicher Anspieltipp.

Produziert hat das Album T-Bone Burnett, der bereits mit dem Soundtrack zum Coen-Film "Oh Brother Where Art Thou" Musikgeschichte zum Charterfolg machte (acht Millionen verkaufte Alben). Wer noch mehr Namen möchte: Marcus Mumford von Mumford & Sons ist auch mit an Bord.

Für die Anzahl an Beteiligten ist das Album manchmal etwas zahm, hört sich nach Greenwich-Village-Idylle an. Aber so richtig wird es ohnehin erst wirken, wenn dazu die Bilder des Films im Kopf entstehen. Reinhören lohnt sich allerdings schon vor dem 5. Dezember, leider hat Spotify (noch) nicht alle Lieder freigegeben.

  • Wäre dieses Album eine Smiley, wäre es B-)
  • Wäre dieses Album ein Gericht, es wäre ein leckerer Ziegenkäsesalat.
  • Wäre dieses Album ein Partyzimmer, es wäre die Küche.

Falls Sie die Playlist nicht abspielen können, melden Sie sich bitte bei Spotify an.

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