Plattenkabinett Linkin Park - The Hunting Party

"O scheiße, das Rock-Radio wird das hier nicht spielen, oder?", fragte sich laut Rolling Stone Linkin-Park-Rapper Mike Shinoda nach der Vollendung von "The Hunting Party". Ein "hartes" Album wollte die Band machen, weg vom Pop der letzten Veröffentlichungen, einen Gegenentwurf zum aktuell überall präsenten Indie-Rock. Also erinnerte man sich an die Bands, die einen zu Beginn der eigenen Karriere beeinflussten: Helmet, Refused, At The Drive-In.

Aber man kennt diese Rhetorik von Rockbands: Das nächste Album ist immer das härteste. Genauso wie jeder Hollywoodschauspieler beteuert, der aktuelle Film sei der beste, den er je gedreht habe. Um diesen Anspruch zu unterstreichen, luden sich Linkin Park die Jugendhelden der 90er ein: Page Hamilton (Helmet) singt den Refrain von "All For Nothing", Tom Morello (Rage Against The Machine) macht lustige Gitarrengeräusche auf "Drawbar", Daron Malakian (System Of A Down) veredelt die Strophe von "Rebelllion".

Chester Bennington, Frontmann von Linkin Park bei "Rock am Ring" 2014.

(Foto: dpa)

Trotzdem halten Linkin Park die neu gefundene Härte auf "The Hunting Party" genau eine Minute lang durch. "Keys To The Kingdom" beginnt mit verfremdeter Stimme, es wird ordentlich losgeholzt. Dann setzt der Refrain mit einem zuckersüßen Harmoniegesang ein, den die Backstreet Boys nicht schöner hinbekommen hätten. So wiederholt sich das auf dem Album immer und immer wieder. Es geht von einem Break zum nächsten, das Schlagzeug poltert hektisch, dazwischen wird gebrüllt, bis der Refrain alles in Wohlgefallen auflöst.

Das klingt anstrengend. Und genau das ist das Problem von "The Hunting Party": Linkin Park können sich nicht entscheiden. Die Stärke der Band waren immer die großen Stadienhymnen. "Hart" konnten die anderen sein. Dafür hatten die nicht die "Rock am Ring"-kompatiblen Mitgrölrefrains. Beides zusammen funktioniert nur bedingt. Nach der Hälfte des Albums wirkt das neue Konzept beliebig. "Mir ist sehr wohl bewusst, dass es da draußen superharte Bands gibt, deren Musik wirklich, wirklich rau ist", sagte Shinoda dem Rolling Stone noch. "Wir dagegen haben eine wirklich laute und aggressive Linkin-Park-Platte gemacht". Hätten sie es doch lieber bleiben lassen.

Wenn dieses Album eine Sportart wäre, dann wäre es ... Wrestling. Viel Show, ein paar harte Schläge und dazwischen viel Drama.

Das Album hört man am besten ... auf der Hauptbühne bei Rock am Ring. Wo immer das auch im nächsten Jahr stattfindet.

Wer dieses Album hört, mag auch ... Green Day, Nickelback, Limp Bizkit.

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