Plattenkabinett Mark Lanegan Band - No Bells On Sunday

Zuerst ist da nur das Wabern eines Synthesizers. Eine verhallte Gitarre stößt hinzu, und dann diese Stimme. So sonor und abgründig, als käme sie ganz tief unten aus einem vergessenen Whiskyfass. Mark Lanegan, der große Grantler, ist wieder da.

1990 erschien sein erstes Soloalbum auf Sub Pop, dem Label, das die Grunge-Welle lostrat. Mit den "Screaming Trees" formte der Sänger den Trend, konnte aber nie den großen Erfolg befreundeter Bands wie Nirvana oder Soundgarden einfahren. Nebenbei veröffentlichte er unermüdlich Soloalben, stieg zeitweilig bei den Queens Of The Stone Age ein und sang, wo immer man ihn ließ.

Unter dem Namen "Mark Lanegan Band" bewegte er sich dann 2003 weg von altbekannten Pfaden, dem Folk und Country, der die meisten seiner Soloalben dominierte. Elektronische Elemente fanden den Weg in seine Musik. Das ist auch auf der neuen EP "No Bells On Sunday" so, dass ein Vorbote auf das im Oktober folgende Album ist. Dopplungen soll es aber nicht geben - die fünf Songs passten einfach nicht zum Rest, sagt der Sänger.

Das passende Album zum nahenden Herbst

Ausschuss war von Lanegan sowieso nicht zu erwarten, aber so zwingend wie auf "No Bells On Sunday" hat er die elektronischen Elemente bisher noch nie präsentiert. Musikalisch ist das oft zurückgenommen und erinnert an den New-Wave-Soundtrack von Nicolas Winding Refns Film "Drive" (2011), getragen von Lanegans Brummelstimme, die wohl auch das Vorlesen eines Telefonbuchs spannend klingen lassen würde. Die Beats der Titel programmierte er kurzerhand selbst. Mit "Funk Box", einer iPhone-App für etwas mehr als fünf Euro. Der Rest der spärlichen Instrumente folgte auf herkömmliche Weise.

Gerade einmal etwas mehr als 20 Minuten dauert das Vergnügen, doch das reicht, um die ganze Bandbreite von Lanegans Schaffen zu vereinen. Ein Mal stampfender Elektrorock ("Sad Lover"), drei Mal New-Wave Blues ("Dry Iced") und eine Folkballade ("Jonas Pop"), fertig ist das passende Album zum nahenden Herbst. Da legt Lanegan dann kurz vor seinem 50. Geburtstag mit einem kompletten Longplayer nach. Am 10. Oktober erscheint "Phantom Radio". Wenigstens ein Grund, sich auf das Ende des Sommers zu freuen.

Wäre das Album ein Auto, welches Auto wäre es? Natürlich ein Muscle Car. Mit zu viel Sprit im Tank.

Was würde Ozzy Osbourne sagen? Sharon??? Weißt du was? Bring mir zwei Flaschen Whisky!

Wäre das Album ein Schauspieler, dann wäre es... Sean Penn. Der wird mit den Jahren auch immer besser.

Falls Sie diesen Song nicht abspielen können, melden Sie sich bitte bei Spotify an.