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Plattenkabinett:Steel Panther - All You Can Eat

"Soraya bitte verlasse sofort den Saal, sonst können Steel Panther nicht beginnen", schallte es immer wieder beim ersten Deutschlandbesuch von Steel Panther durch den mittlerweile geschlossenen Münchner Club "59 to 1". Am Vorabend hatte ein Pornosternchen in Hamburg die Bühne geentert und das gemacht, was man als aufstrebende Künstlerin im horizontalen Gewerbe eben so macht. Das brachte der Band 2010 ihre erste Bild-Schlagzeile als "versexteste Band der Welt" ein. Und einen Tag später den Besuch der Münchner Polizei, die alle Minderjährigen aus dem Club warf. Pech für Soraya.

Mit der "versextesten Band der Welt" hat die Boulevard-Zeitung aber nicht ganz unrecht. Lyrisch gesehen sind Steel Panther ziemlich eindimensional. Es geht um Sex, und nichts anderes. Vornehmlich mit Frauen, gerne auch mehreren gleichzeitig. So explizit, dass es erstaunlich ist, dass es die Band gerade in den USA zu Kultstatus gebracht hat. Ein Musik gewordener Hochglanzporno.

2000 gegründet, versuchte es die Band unter wechselnden Namen zunächst mit Coversongs des verhasstesten Musik-Genres aller Zeiten: Hair Metal. Die Hits von Ratt, Mötley Crüe, Bon Jovi und Poison - Steel Panther hatten sie alle drauf und spielten sie besser als die Originale. Inklusive der Spandex-Hosen, auftoupierten Perücken und des Make-ups. Der entscheidende Unterschied aber war: Steel Panther nahmen sich nicht ernst. Sie begegneten dem Hair Metal in der einzig noch möglichen Form, der Satire. Aus dem dekadenten Hardrock, der sich verdeckt sowieso nur um Sex drehte, wurde Hardrock, der sich explizit nur um Sex dreht. Mit einer Hitdichte, von der die ursprünglichen Erfinder nur träumen können.

"Party Like Tomorrow Is The End Of The World" auf dem neuen Album "All You Can Eat" etwa ist ein Kracher, den auch der betrunkenste Perückenträger nach dem ersten Refrain mitgröhlen kann. Die erste Single "The Burden Of Being Wonderful" wiederum eröffnet mit den besten Zeilen eines Songs in diesem Jahr: "Why in a world of ugly faces should I be allowed to be so hot". Ähnlich hochkarätig geht es weiter: "I'm just a Maserati in a world of Kias".

Der Rest des Albums widmet sich der Durchdeklinierung der Geschlechtsteile. Erstaunlich, wie viele Begriffe Steel Panther dafür finden. Selbst die Liedtitel würden es nicht durch die US-Zensur schaffen. Das ist sicher nicht besonders subtil. Aber verdammt lustig, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Denn Steel Panther sind natürlich wie jede gute Parodie kein reines Witzprojekt. Sie lieben die Musik, die sie spielen. Sie sind Tribut und Persiflage zugleich. Und das Lustigste, was Hardrock jemals hervorgebracht hat.

Wann hört man das Album am besten? Bei einem Besuch eines Tabledance-Etablissements Ihrer Wahl.

Wenn das Album ein Kleidungsstück wäre, dann wäre es eine Zebra-Spandex-Hose.

Wenn das Album eine Reise wäre, dann führte sie auf den Sunset Strip.

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