Plattenkabinett Ex Hex - "Rips"

Auf der Landkarte des Pop ist Washington, D.C., bestenfalls ein abgelegenes Kaff, irgendwo in einem dichten Wald. Es gibt keine Straße, die herausführt, und so erfährt die Welt nur selten von den Musikern aus der US-Hauptstadt. Gut, es gab hier mal eine raue Punk-Szene in den frühen Achtzigern, und Duke Ellington ist hier geboren, aber sonst?

Dies also ist der bescheidene Versuch, aus Washington wenigstens ein Goldgräberdorf zu machen mit einem Saloon und einer Bühne. Darauf stehen Ex Hex: Mary Timony an der Gitarre, Betsy Wright am Bass und Laura Harris an den Drums, drei Frauen, die den Geist von Glamrock und Power-Pop atmen und eine innige Liebe zu den Ramones oder Johnny Thunders pflegen. Blinkende Gifs, das krisselige Foto eines Feuerwerks im Hintergrund - schon ein Blick auf die großartige Seite der Band im Cyberspace verrät, dass sich die Band ganz dem Gestern verschrieben hat.

"Rips", das Debütalbum von Ex Hex, mag ein wenig anachronistisch erscheinen mit seinen steilen Riffs und den verrückten Gitarrensoli Timonys (etwa in "Waterfall" oder "New Kid"). Doch genau die machen diese minimalistische 35-Minuten-Platte aus, die nur eine Richtung kennt: vorwärts. Und dann ist da noch die mädchenhafte Freude, mit der die Leadfrau, immerhin 44 Jahre alt, über böse Jungs an der Schule singt oder beknackte Sommerjobs. Doch das nur am Rande. Der britische Guardian hat Rips schon zum "air-guitar album of the year" erkoren. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wenn dieses Album ein Getränk wäre, wäre es ein mild-rauchiger Laphroaig Whisky, 15 Jahre. On the rocks.

Wenn dieses Album ein Film wäre, wäre es "Easy Rider".

Wann hört man dieses Album am besten? Auf einem Road Trip durch das Death Valley Richtung Las Vegas, auf Dauer-Repeat.

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