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Plattenkabinett:Der Pomp der Schmetterkönigin

Christina Perri

Auf ihrem zweiten Album gönnt Christina Perri dem Hörer keine Verschnaufpause.

(Foto: Warner Music)

Christina Perri erlaubt keine Verschnaufpausen, Cris Cab ist laut Pharrell Williams die Zukunft - und Tokyo Police Club beweisen: Zu viel der guten Laune ist auch nicht gut. Neue Alben im "Plattenkabinett", der Musik-Kolumne von SZ.de.

Tokyo Police Club - Forcefield

Drei, maximal vier Minuten pro Song - und weiter, immer weiter: Auf den zwei Alben, die sie vor "Forcefield" veröffentlichten, hielten sich "Tokyo Police Club" an dieses einfache Rezept, um ihren Alben den nötigen hohen Puls zu geben. Der geneigte "Forcefield"-Hörer - so heißt die neue Platte der Band aus Kanada - sieht sich nun mit einem achteinhalb Minuten langen Opener konfrontiert. Aber keine Sorge, dieser erste Song namens "Argentina Parts 1, 11 & 111" ist nicht der Einstieg des Tokioter Polizistenvereins in den symphonischen Prog Rock. Sie machen nur Scherze.

Klar, sie sind ja auch gut drauf. Die ganze Zeit. Einfach gut drauf. Tokyo Police Club ist eine Gutelauneband, sie will niemandem wehtun, nicht mal ihren Verstärkern, die noch in den Vorgängeralben zumindest teilweise daran glauben mussten. Und so verstecken sich in dem achteinhalb Minuten langen ersten Song, der mehr als ein Viertel der Laufzeit des Albums auf sich vereint, in Wahrheit drei separate Songs, die smart ineinander greifen und die alle für sich genommen schlicht nach dem altbekannten Tokyo-Police-Club-Sound klingen. Ein bisschen polierter, textlich ein bisschen interessanter ( If I was an asshole / Thank you for keeping / A smile on your face), aber halt nach Tokyo Police Club.

Warum? Eigentlich ist das egal. Rätselt man zu lange, sind schon wieder zwei Songs vorüber. "Hot Tonight", in dem Sänger David Monks über eine Melodie, die sich auch auf dem American-Pie-Soundtrack wiederfinden könnte, fröhlich singt: "I'll burn the house down by the end of the night". Glaubt man ihm natürlich nicht, so wie er es trällert. Es klingt nicht durchgeknallt genug, trotz des Grinsens im Gesicht. Oder "Gonna Be Ready", dessen Einstieg wie das Arctic-Monkeys-Lied klingt, das die Engländer im Block hatten, aber nie fertiggeschrieben haben, das das Versprechen aber auch nicht einlösen kann.

So surfen und galoppieren Tokyo Police Club durch das Pop-Album "Forcefield", gefallen ab und an mit angenehm nachklingenden Refrainzeilen wie in "Beaches" ( Are you gone? Are you there? Are you just out of sight?) oder mit sauberen Gitarren-Riffs wie in "Tunnel Vision". Aber sie machen einen auch ärgerlich, in Gottes Namen, richtig ärgerlich. Mit ihren repetitiven und deshalb penetrant klebenbleibenden Refrainzeilen wie in "Through the Wire" oder, auf die Spitze getrieben, in "Feel the Effect". Nach 34 Minuten läuft "Forcefield" aus, und man hat eine weitere Bestätigung für die These, die sich mit zunehmendem Alter immer mehr verfestigt: Zu viel der guten Laune kann auch nicht die Lösung aller Probleme sein.

Wenn das Album eine Süßigkeit wäre, wäre es ein Ferrero Küsschen

Wenn das Album ein Auto wäre, wäre es ein Golf

Wenn das Album ein Soundtrack wäre, dann zum Film "American Pie, Teil X"

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