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Soziologie:Plagiate: Uni leitet Disziplinarverfahren gegen Bestseller-Autorin ein

Germany: Frankfurt Book Fair 2019 Day 1 German sociologist Cornelia Koppetsch speaks at the Frankfurt Book Fair. The 71

Soziologin Cornelia Koppetsch auf der Frankfurter Buchmesse 2019.

(Foto: imago images/Pacific Press Agenc)

Der Darmstädter Soziologie-Professorin Cornelia Koppetsch wurden 111 plagiierte Stellen in ihren Veröffentlichungen nachgewiesen.

Wegen "gravierender Missachtung guter wissenschaftlicher Praxis" leitet die Universität Darmstadt ein Disziplinarverfahren gegen ihre Soziologie-Professorin Cornelia Koppetsch ein. Das geht aus dem Abschlussbericht der Untersuchungskommission hervor, die die Plagiatsvorwürfe gegen Koppetschs Monografien "Die Gesellschaft des Zorns" und "Die Wiederkehr der Konformität" geprüft hat.

Von den insgesamt 117 beanstandeten Stellen in den beiden Büchern und vier Aufsätzen, habe die Kommission insgesamt 111 als Plagiate oder Verstöße eingestuft, heißt es in dem Bericht. Zwar sei Koppetsch "in verschiedenen Textgattungen und auch publizistisch" tätig, daraus erwachse jedoch "kein Grund, die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis zu lockern", heißt es weiter. Die Rede ist von einer "durchgehend verfehlten Arbeitsweise".

Mit ihren Texten über Rechtspopulismus und neue Protestbewegungen war Koppetsch zuvor weit über den wissenschaftlichen Betrieb hinaus bekannt geworden. "Die Gesellschaft des Zorns" wurde 2019 von der Kritik gelobt und für zwei bedeutende Sachbuchpreise nominiert. Wegen der Vorwürfe hatte die Jury des Bayerischen Buchpreises die Nominierung im letzten Moment öffentlich zurückgezogen.

© SZ vom 12.08.2020 / SZ/khil

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