bedeckt München 16°
vgwortpixel

Pinakothek der Moderne:Herausragende Fingerübungen

Rembrandt van Rijn: Frau im Bett mit einer Magd oder Amme, um 1637.

(Foto: Staatliche Graphische Sammlung München)

Eine Ausstellung zeigt Zeichnungen und Radierungen von Rembrandt

15 Rembrandts sind es, die als eigenhändig gelten. 15 von einst 400 Zeichnungen, die Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz für seine Sammlung in Mannheim gekauft und als Rembrandt-Komplex mit nach München gebracht hatte. Der Rest gilt heute als Werke der zahlreichen Schüler und Mitarbeiter der Werkstatt Rembrandts, als Blätter von Nachahmern und Fälschern. Doch niemand kann sicher sein, dass die Anzahl der Zeichnungen nicht irgendwann weiter schrumpft, auch wenn man beim Bestand des Münchner Kabinetts im Moment von gesicherten Zuschreibungen ausgeht.

Denn bei Rembrandt-Zeichnungen "ist alles im Fluss", wie Susanne Wagini von der Graphischen Sammlung betont. Sie ist Kuratorin der Ausstellung "Het Beste van Rembrandt", die in der Reihe "Im Blick" für kurze Zeit Zeichnungen und Radierungen von Rembrandt van Rijn in der Pinakothek der Moderne zeigt. Anlässlich des 350. Todestages habe die Graphische Sammlung ihre "Schatztruhe" geöffnet, so Wagini. Und Sammlungsdirektor Michael Hering weist darauf hin, dass man einige dieser Zeichnungen "kaum zweimal im Leben" in einer Ausstellung zu sehen bekomme.

Die Zeichnungen werden in einem Raum für sich präsentiert. Darunter das wunderbare Blatt der Frau im Bett, von der man annimmt, dass es sich um Rembrandts Frau Saskia handelt. Manche der Zeichnungen wirken wie flüchtig hingeworfen, andere sind etwas mehr durchgearbeitet. Alle aber waren wohl reinstes Grundlagenmaterial: Fingerübungen für Rembrandt selbst, Vorlagen für seine Werkstatt. Nicht zum Verkauf bestimmt und deshalb in der Regel auch nicht signiert. Um so überraschender ist es, wenn doch eine Signatur auftaucht wie bei dem Brückenbild - wohl eine nachträgliche Anfügung eines einstigen stolzen Besitzers, wie Wagini erklärt.

30 druckgrafische Werke Rembrandts sind im Vitrinengang zu sehen. Selbstporträts zeigen, wie der Künstler sich sah, nämlich erstaunt und fragend - und wie er gesehen werden wollte: selbstsicher und staatstragend. Die "Charakterköpfe" und die Figurenstudien wirken flüchtig. Die Porträts bedeutender Persönlichkeiten hingegen sind intensiv durchgearbeitet, ebenso wie die oft zauberisch anmutenden Landschaften und die ausdrucksstarken biblischen Motive. Die druckgrafischen Arbeiten belegen, wie souverän der Autodidakt auf diesem Gebiet mit der Radier- und Kaltnadeltechnik umging und wie sehr er es liebte zu experimentieren.

Aufschlussreich sind auch die vergleichenden Hängungen, an Hand derer die Überarbeitung einiger Druckplatten deutlich wird. Da wird aus einer lichten eine düstere Kreuzigungsszene mit konzentriertem Lichteinfall, auf einer anderen Platte nimmt er einen Teil einer Gruppe von Menschen weg, bringt dadurch aber einen Dialog ins Bild, der die Szene bedeutsam bereichert.

Neben der Rembrandt-Schau ist die Soundinstallation "Geduld" von Peter Piller zu erleben. Eine gesungene Wortcollage aus mehr als 20 Bach-Kantaten-Fragmenten rund um das Wort Geduld mit vielen Pausen - die den Zuhörern wirklich Geduld abverlangen.

Het Beste Van Rembrandt, Peter Piller "Geduld", Pinakothek der Moderne, Barer Str. 40, bis 13. Okt., Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr

© SZ vom 28.09.2019
Zur SZ-Startseite