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Kolumne "Nichts Neues":Johann Schobert

Johann Schobert: Man weiß wenig über ihn, und das nicht genau. Nur, wie er starb, das weiß man.

(Foto: mauritius images / ART Collection)

Er war Komponist, doch er wollte nicht hören: Wie Johann Schobert im Jahr 1767 den wichtigsten Rat seines Lebens missachtete.

Von Johanna Adorján

Es ist verzeihlich, den Komponisten Johann Schobert nicht zu kennen. Selbst klassische Musiker fragen zurück, ob man Schubert meine - nein, Schobert -, und gucken dann fragend.

Man weiß nicht viel über ihn, nicht mal sein Geburtsjahr. Es wird auf 1720 oder 1735 geschätzt, vielleicht wurde er in Schlesien geboren, eventuell wuchs er im Elsass auf. Erst von 1765 an gibt es Belege, da lebte und arbeitete er in Paris. Er war Kammercembalist des Prinzen von Conti, der im "Palais du Temple" Hof hielt - es steht heute nicht mehr. Es war die Zeit der Seidentapeten, geschwungenen Sitzmöbel und Chinoiserien. Männer trugen gepuderte Lockenperücken, Frauen türmten sich ihr Naturhaar auf. Mozart trat als zehnjähriges Wunderkind im Salon des Prinzen Conti auf. Er traf unseren Schobert, kannte dessen Werke, hat aus ihnen später musikalisch zitiert. Schobert hinterließ vor allem Kammermusik für Cembalo und Streichinstrumente. Und eine abschreckende Geschichte, was Pilze angeht.

Wann auch immer Johann Schobert geboren wurde - gestorben ist er an Dickköpfigkeit

Am 25. August 1767, es war ein Dienstag, begab sich Schobert mit sechs weiteren Personen zum Pilzesammeln in den Wald von Saint-Germain-en-Laye. Mit ihm waren seine Frau, zwei ihrer Kinder im Alter von vier und fünf Jahren sowie drei weitere Personen, darunter ein Arzt. Gegen Abend kehrte man in einer Schenke in Marly ein und bat darum, die gesammelten Pilze zuzubereiten. Der Koch weigerte sich, sie seien giftig. Die Gesellschaft suchte ein anderes Lokal auf, im Bois de Boulogne. Auch hier weigerte man sich, die Pilze zuzubereiten, da sie giftig seien. Man war pikiert. Beteuerte der Arzt in ihrer Gesellschaft doch vehement, sie seien gut. Schobert dirigierte die Kutsche zu sich nach Hause und trug dort seiner Dienstmagd auf, sie zuzubereiten. Man ahnt, was kommt. Man fand sie alle am Mittag des nächsten Tages, wer noch am Leben war, krümmte sich unter heftigen Krämpfen auf dem Fußboden. Schobert, seine Frau, die beiden Kinder, der Arzt, selbst die Dienstmagd, sie alle ließen ihr Leben, weil Johann Schobert nicht auf die Köche hatte hören wollen. Wann auch immer Johann Schobert geboren wurde - gestorben ist er an Dickköpfigkeit am 28. August 1767, einem Freitag.

© SZ/beg
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