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Piet Mondrian:Im Museum gefunden?

Mondrian Bilder in Krefeld

Vier Bilder des Malers Piet Mondrian hängen im Kaiser-Wilhelm-Museum - doch wie kamen sie dorthin?

(Foto: Volker Döhne/Kunstmuseen Krefeld/dpa/picture alliance/dpa)

Seit vielen Jahren streiten die Krefelder Kunstmuseen um vier Gemälde von Piet Mondrian. Jetzt hat die US-Stiftung, die den Nachlass des Künstlers verwaltet, Klage eingereicht. Das könnte teuer werden.

Von Alexander Menden

In einem seit Jahren schwelenden Streit um vier Gemälde des niederländischen Künstlers Piet Mondrian hat der amerikanische "Elizabeth McManus Holtzman Irrevocable Trust" vor einem US-Bezirksgericht Klage gegen die Kunstmuseen Krefeld erhoben. Ziel ist die Herausgabe der fraglichen Kunstwerke, die sich im Besitz des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museums befinden, an die Erbenstiftung.

Nach derzeitigem Kenntnisstand kamen im Jahr 1929 acht Werke Mondrians aus einer Frankfurter Ausstellung an den Niederrhein. Dort sollten sie ausgestellt werden. Der Krefelder Museumsdirektor Max Creuz starb jedoch, bevor die geplante Schau zustande kam, der Maler erhielt die Bilder nie zurück. Sie wurden aber auch nicht inventarisiert. Drei Jahre nach Mondrians Tod und zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 1947, entdeckte man die Werke im Lager wieder: Abstraktionen von Piet Mondrian in höchster Qualität.

Die Lesart der Stadt Krefeld war stets, dass Piet Mondrian dem Kaiser-Wilhelm-Museum die Bilder als Geschenk überlassen habe. Dafür gibt es allerdings keine konkreten Belege. Vier davon verkaufte der damalige Direktor des Kaiser-Wilhelm-Museums, Peter Wember, um vom Erlös andere Werke der Klassischen Moderne zu erstehen, vor allem Grafiken und Werke auf Papier. Die übrigen vier sind seit 1954 Teil des Inventars. Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer hatte bereits 2019 nach Erstellung eines Provenienz-Gutachtens durch die Expertinnen Katja Terlau und Dr. Vanessa Maria Vogt betont, es spreche "alles dafür, dass sich die Mondrian-Arbeiten rechtmäßig im Besitz der Stadt Krefeld" befänden.

Der Wert der Gemälde wird auf 200 Millionen Dollar geschätzt

Bis zu seinem eigenen Tod im Jahre 1987 machte Mondrians Nachlassverwalter und einziger Erbe, der amerikanische Künstler Harry Holtzman jedenfalls keine Ansprüche geltend. Holtzmans Erben wiederum wollen erst 2011 von der Existenz der Bilder erfahren haben. Die Klage in ihrem Namen wurde bereits am 15. Oktober unter Berufung auf den sogenannten "Holocaust Expropriated Art Recovery Act" von 2016 eingereicht, das die Verjährungsfristen für zwischen 1933 und 1945 verlorene Werke aufhebt, solange der Kläger innerhalb von sechs Jahren nach Auffinden der Werke rechtliche Schritte einleitet. Was den Wert der Werke angeht, so steht zwar die Schätzung von 200 Millionen US-Dollar im Raum. Ihr tatsächlicher Marktwert ist allerdings schwer zu ermessen, da Arbeiten von ähnlichem Rang sehr selten gehandelt werden. Er könnte weit höher liegen. Sollte die Klage zugelassen werden und erfolgreich sein, müsste für die Entschädigung wegen der verkauften Bilder gegebenenfalls die öffentliche Hand aufkommen.

© SZ/lorc
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