Phrasenmäher Zugespitzt

Die Lage in Griechenland ist schrecklich. Wenn wir immer weiter zuspitzen, könnte es sein, dass wir abstumpfen.

Von Alex Rühle

Zunächst hat sich die Lage in Amerika zugespitzt, Lehman Brothers, 2008. Kurz darauf wanderte die Finanzkrisenmetapher weiter nach Nordosten: "Situation in Reykjavik spitzt sich zu!" Südeuropa lag zu dem Zeitpunkt noch in stumpfem Schlummer. Dann aber, 2010, ging es Schlag auf Schlag: Im Mai war es die Schuldenkrise insgesamt, die sich zuspitzte, es muss sich damals um eine so jähe wie breite Zuspitzung gehandelt haben. Die sich im Juni desselben Jahres dann erstmals auf Griechenland verengte: "Lage der griechischen Banken spitzt sich zu." Man kann sagen, dass wir Journalisten den Spitzer seither nicht mehr aus der Hand gelegt haben und alles in Griechenland zuspitzen, was sich finden lässt, die Situation, die Krise, den Streit, vor allem aber: die Lage. Nach einer kurzen Pause 2013 spitzt sich die arme Lage seither eigentlich permanent zu, mal "dramatisch", mal "immer weiter", momentan anscheinend "endgültig". Letzte Woche war es erstmals ein Mensch, der "die Dinge noch mal zugespitzt hat", nämlich Giannis Varoufakis, indem er vom "Terrorismus der Gläubiger" sprach. Weil der eben selbst noch aktiv zuspitzende Varoufakis zurückgetreten war, nahm man dann aber einen Tag später wieder die gute, alte Lage, die sich . . . - Wie gesagt, die Lage in Griechenland ist schrecklich, aber wenn wir nur immer weiter zuspitzen, könnte es sein, dass wir eines Tages völlig abstumpfen.