Phrasenmäher Spoiler-Alarm

In den Achtzigern hatte der Spoiler seine große Zeit, vor allem am Opel Kadett. Dann verschwand er, zusammen mit Karottenjeans und der Gruppe "Milli Vanilli". Warum also wird jetzt so oft "Spoiler-Alarm" ausgerufen?

Von Christopher Schmidt

Eigentlich sollte man meinen, die Zeit, da vor Spoilern eigens gewarnt werden musste, sei glücklichweise vorbei, gnädig verhüllt vom Mantel der Geschichte wie andere Geschmacksverirrungen der Achtzigerjahre auch, Karottenjeans etwa oder das Discopop-Retortenduo Milli Vanilli. Damals gehörte der Spoiler, ob als Front- oder Heckspoiler (die sogenannte Frittentheke) zum tiefergelegten Zeitgeist. Es war die dunkle Ära der Hobbytuner, die ihren Opel Kadett aufrüsteten mit allerlei Schürzen, Flossen und anderen Rüschen der Aerodynamik. Waren Fuchsschwanz und Wackeldackel feste Bestandteile der automobilen Siebziger, so zählt der Spoiler zum Tand der Achtziger, eine Art Popper-Tolle fürs Auto. Doch damals, als der Begriff angebracht gewesen wäre, sprach kein Mensch von "Spoiler-Alarm". Heute dagegen heißt es ständig: "Vorsicht, Spoiler!" - allerdings in völlig anderer Bedeutung, nämlich als Hinweis, dass hier mit Rücksicht auf das Publikum Informationen bewusst zurückgehalten werden, deren Vorwegnahme den Genuss an der spannenden Auflösung eines Films oder Romans verderben (englisch: to spoil) könnte. Man möchte eben nicht, dass zu viel preisgegeben oder geradezu "geleakt" wird, wie man neuerdings auch gerne sagt. Dabei kommt es jedoch häufig vor, dass auf die ausgesprochene Spoiler-Warnung gar kein Spoiler folgt, dass also vor einer Gefahr gewarnt wird, die nicht besteht. In diesen Fällen ist auch der Spoiler-Alarm nur eine modische Zierleiste, Tuning für Texte sozusagen.