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Phrasenmäher:Perfektoid

Der Mathematik-Professor Peter Scholze hat gerade die Fields-Medaille erhalten. Wie nur erklären Journalisten ihren Lesern nun, wofür.

Der 30-jährige Bonner Mathematikprofessor und Zahlentheoretiker Peter Scholze hat gerade die Fields-Medaille erhalten, die berühmteste Auszeichnung für Mathematiker. Belohnt wurde er damit für sein Konzept der "perfektoiden Räume", das in der Fachwelt schon länger als bahnbrechend gilt. Wobei man sich die Fachwelt in diesem Fall als wirklich klein vorstellen muss. Die Zahl der Kollegen, mit denen er seine Ideen auf Augenhöhe diskutieren kann, beziffert der unprätentiöse Scholze laut Zeit auf "eher zehn". Sogar sein Mentor, der Mathematikprofessor Michael Rapoport, gesteht, nicht wirklich folgen zu können. Das Konzept der perfektoiden Räume gilt als eines der schwierigsten Konzepte, die je in die Mathematik eingeführt wurden. Der lustigste Moment in den Berichten der vergangenen Tage ist dementsprechend der Moment, an dem - Kategorie: von Laien für Ahnungslose - versucht wird zu erklären, was Scholze herausgefunden hat, was also perfektoide Räume nun eigentlich sein sollen. Selten erkannte sich der Journalismus so demütig als Wortmusik. Scholzes perfektoide Räume hätten wenig mit der Laienvorstellung vom Raum zu tun, liest man da, sie basierten "statt auf den reellen auf den exotischen sogenannten p-adischen Zahlen". Anderswo steht zart zirkulär, dass in Scholzes Welt "Probleme aus der Zahlentheorie so in eine geometrische Sprache umformuliert werden, dass Sätze aus der Geometrie und der Topologie auf zahlentheoretische Probleme angewendet" werden könnten. Und dann noch das Wort mit dem freundlichen, viel zu selten gebrauchten Suffix "-oid": perfektoid, der Perfektion ähnlich. Famos. Denn wann ist man schon mal etwas und ihm nicht bloß bestenfalls ähnlich? Also, zum Beispiel, sich selbst?