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Phrasenmäher:Ein Stück weit

Politiker sprechen gerne davon, dass etwas "ein Stück weit" geschehen sei oder geschehen müsste. Am liebsten würde man die Torkel-Phrase entschlossen zerstückeln.

Von Gerhard Matzig

Ein Stück weit macht sich die Epidemie auch in Deutschland bemerkbar. So könnte sich Jens Spahn anhören, denn der Gesundheitsminister unterhält ein nicht eben gesundes, womöglich sogar epidemisches Verhältnis zur Floskel. Der Streit um die Gesundheitspolitik? Hat sich "ein Stück weit verselbständigt" (2010). Die große Koalition? Wurde "ein Stück weit abgewählt" (2017). Und eine Gesellschaft, in der man sich vor Übergriffen fürchten muss? Ist "ein Stück weit verloren" (2019). Als Vater der Phrase wird übrigens ein Stück weit Wolfgang Schäuble vermutet. Dagegen spricht aber die einleuchtende These, Angela Merkel sei als Mutter derselben zu betrachten. Ein Stück weit ist wohl beides wahr. Das heißt: Eigentlich stimmt es nicht ganz, aber ganz falsch ist es auch wieder nicht. Am liebsten würde man die Torkel-Phrase entschlossen zerstückeln. Nicht ein Stück weit. Einfach ganz und gar.

© SZ vom 28.02.2020

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