Am 14. September 1930 wählt die Weimarer Republik ihren schleichenden Untergang. Die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei, bis dahin ein mal beargwöhnter, mal belächelter Haufen von Extremisten und völkischen Schraten, ist zweitstärkste Fraktion im Parlament geworden. Vier Wochen nach der Wahl ruft Hermann Müller, der bis zum März des Jahres als letzter Reichskanzler in einer Großen Koalition mit eigener parlamentarischer Mehrheit regiert hatte, der Fraktion der NSDAP den eher selbstbeschwörenden Satz zu: „Wir haben schon einiges in diesem hohen Hause überstanden; wir werden auch die nationalsozialistische Inflation überstehen.“
SachbuchDie Blaupause
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Plötzlich zweitstärkste Kraft: Bei der Eröffnung des Reichstages nach den Wahlen am 14. September 1930 sitzen die 107 NSDAP-Mitglieder in ihren Parteiuniformen im Plenum.
Scherl/Süddeutsche Zeitung PhotoDer Aktionskünstler und Politologe Philipp Ruch erzählt in seinem Buch „Der Rückfall“ die Geschichte der Nobilitierung der NSDAP in den drei Jahren vor ihrer Machtergreifung. Parallelen zur Gegenwart: erschreckend deutlich.
Von Hilmar Klute
