Philipp Felsch: "Wie Nietzsche aus der Kälte kam":Gefährliche Papiere

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Philipp Felsch: "Wie Nietzsche aus der Kälte kam": Das "angreifende aktive Moment": Philosoph und Philologe Friedrich Nietzsche.

Das "angreifende aktive Moment": Philosoph und Philologe Friedrich Nietzsche.

(Foto: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo)

Philipp Felsch hat die Geschichte der ersten kritischen Ausgabe des gesamten Nachlasses Nietzsches geschrieben - getarnt als Thriller.

Von Lothar Müller

Vor einigen Jahren hat der Kulturwissenschaftler Philipp Felsch ein kluges Buch geschrieben, in dessen Zentrum der 1970 in Westberlin gegründete Merve Verlag stand. Weder der Ober- noch der Untertitel des Buches gab darauf einen Hinweis. Es hieß "Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte 1960-1990". Die Anspielung auf Hans Magnus Enzensbergers dokumentarischen Roman "Der kurze Sommer der Anarchie" (1972) signalisierte den Abschied von den Routinen der Verlagsgeschichtsschreibung. Die Theorie - ob in Gestalt des italienischen Marxismus, des französischen Poststrukturalismus oder der Systemtheorie Niklas Luhmanns - trat bei Felsch als Obsession auf, als Droge, die in kleinen, billigen, handlichen Formaten verabreicht wurde statt in langgestreckten Wälzern. Wo der Schlüsselbegriff "Intensität" auftauchte, war die Nietzsche-Lektüre nicht weit. En passant ließ sich dem Buch entnehmen, dass der Autor, Jahrgang 1972, in den mittleren Neunzigerjahren in Bologna studiert hatte.

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