Kia Vahland über Tizians Venedig
Venedig braucht die Kunst, die Kunst braucht Venedig: Das ist so, seit Tizian und sein Kreis hier um 1500 die Malerei neu erfanden als farbintensive, träumerische Antwort auf eine Realität voller Kriege, Seuchen und gesellschaftlicher Zwänge. In der Renaissance entdeckten die Venezianer das Prinzip Resilienz durch Schönheit und trugen es in die Welt.

Die Venedig-Kennerin und SZ-Redakteurin Kia Vahland erzählt anschaulich, wie der Außenseiter Tizian nur in dieser Stadt zum europäischen Superstar aufsteigen konnte. Könige, Fürstinnen und Päpste rissen sich um seine Gemälde – und konnten ihn doch nicht aus seiner Heimat weglocken. Abseits der touristischen Routen führt Kia Vahland die Leser auf einen Spaziergang durch die Lagunenstadt zu jenen besonderen Orten und Werken, die schon Tizian und seine Freunde kannten, liebten und mitprägten.

Volker Weiß über die politische Theologie der Gegenwart
Vom Tech-Milliardär bis zum russischen Ultranationalisten Alexander Dguin bemühen neuerdings viele ein biblisches Motiv: den Katechon. Als geheimnisvolle Kraft könne er das Böse aufhalten und „falschen Verheißungen“ des „Antichristen“ entgegentreten. Seine irdische Gestalt soll wahlweise Trump oder Putin sein. Mit dem Katechon als „Aufhalter“ des Bösen wird also eine theologische Figur heraufbeschworen, um die Politik der extremen Rechten zu legitimieren. Spätestens, seit sich Peter Thiel als Verfechter dieser Idee zu erkennen gab, ist „der Katechon“ auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Der Historiker und SZ-Autor Volker Weiß untersucht in seinem neuen Buch diese Figur der politischen Theologie, mit der alles begründet, aber nichts erklärt werden kann.

