Zum Tod von Peter Schneider„Er wusste um seine vielen Freunde“

Lesezeit: 1 Min.

Der Schriftsteller Peter Schneider im April 2025 in Berlin.
Der Schriftsteller Peter Schneider im April 2025 in Berlin. MaurizioxGambarini/IMAGO/Funke Foto Services

Der Schriftsteller verstarb am Dienstagabend nach langer Krankheit. Der Regisseur Volker Schlöndorff erinnert an Schneiders letzte Tage in Berlin und an 50 Jahre Freundschaft.

Gastbeitrag von Volker Schlöndorff

Volker Schlöndorff, geboren 1939, ist deutscher Regisseur und Drehbuchautor, seine Verfilmung von Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ wurde 1980 mit einem Oscar ausgezeichnet. Mit Peter Schneider verbindet ihn eine jahrzehntelange Freundschaft, in Schlöndorffs Film „Rückkehr nach Montauk“ ist der Schriftsteller sogar kurz zu sehen. Schlöndorffs Abschiedsworte entstanden im Namen und in Abstimmung mit der Familie von Peter Schneider.

Peter Schneider ist am Dienstagabend friedlich eingeschlafen in seiner alten Wohnung in der Xantener. Ich habe ihn eine Stunde vorher verlassen, da atmete er noch flach und mühsam. Seit Montag war er nicht mehr ansprechbar. Am Sonntag dagegen noch sehr präsent, er genoss ein Glas schlechten Weißwein und schwelgte mit mir in Erinnerungen, wobei er auch sein Bedauern ausdrückte, dass wir eigentlich nie richtig zusammengearbeitet hätten – trotz 50 Jahren Freundschaft.

Seine Tochter Lena Spak und sein Sohn Marek waren auch bei ihm, sehr, sehr traurig, diesen außergewöhnlichen Vater zu verlieren.
Zum Krankheitsverlauf: Zwei Jahre hat er den Krebs, der sich so ziemlich überall eingenistet hatte, dank Immuntherapie und guter Moral in Schach gehalten. Im Dezember musste die Therapie wegen starker Nebenwirkungen abgesetzt werden. Weihnachten verbrachte er noch guter Dinge in Köln bei der Familie.

Peter lehnte ab, eine Chemo zu machen, die nur Schmerzen mache, das Bewusstsein einenge und ihm doch höchstens ein paar Wochen bringen würde. Er ging in eine Reha, die gab ihm den Rest: Er verlor Gewicht und Mut. Ein paar Wochen hat er sich dann noch wacker in seiner Wohnung gehalten, ab und zu kam er sogar mit raus zum Essen, was er dringend brauchte.

Er wusste um seine vielen Freunde, fühlte sich aber zu schwach, um sie noch einmal um sich zu versammeln. Insofern mag diese traurige Nachricht für viele überraschend kommen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Nachruf
:Chronist der Rebellion

Er war der Rausschmeißer für alle Nostalgiker der 68er-Revolte, aber er hat die Träume seiner Generation nie verraten. Zum Tod des Berliner Schriftstellers Peter Schneider.

SZ PlusVon Hilmar Klute

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: