Personal der Gegenwart Der Direktor für Persönlichkeit

Der Sportreporter Lee Jenkins ist vom Baseball-Proficlub Los Angeles Clippers angestellt worden: als "Executive Director of Research and Identity". Was ist ein "Direktor für Forschung und Identität"?

Von Jens-Christian Rabe

Der amerikanische Basketball-Proficlub Los Angeles Clippers hat den renommierten Sportreporter Lee Jenkins eingestellt, der für seine außergewöhnlich gut beobachteten Porträts von Basketballstars bekannt ist, die er für Magazine wie Sports Illustrated geschrieben hat. Jenkins wird aber nicht, wie es üblich ist, wenn Journalisten die Seite wechseln, die Presse- oder Marketing-Abteilung verstärken, um den Club vor seinen alten Kollegen und Werbepartnern so gut wie möglich aussehen zu lassen, auch wenn es mal schlecht läuft. Nein. Jenkins wird in Zukunft bei den Clippers den Titel des "Executive Director of Research and Identity" tragen, "Geschäftsführender Direktor für Forschung und Identität". Etwas Vergleichbares hat es im Profi-Sport noch nicht gegeben. Worin soll seine Arbeit also bestehen? Wie kann einer einem Basketball-Team helfen, der von sich selbst sagt, in einer Trainingshalle mit Nachwuchstalenten nicht beurteilen zu können, wer wirklich gut ist, und dem vor allem ein großes Talent dafür nachgesagt wird, das Vertrauen von Menschen zu gewinnen, die wenig bis gar nichts mit ihm gemeinsam haben? Ganz einfach: Clippers Sportchef Lawrence Frank möchte, dass Jenkins potenzielle Neuzugänge interviewt und den Verantwortlichen dann davon erzählt, ohne den ganzen unverständlichen Unsinn, den man bekommt, wenn man dasselbe Psychologen machen lässt. Lawrence nennt es "reportorial scouting", die Sichtung von Spielern im Blick auf die Frage, was für Menschen sie jenseits ihrer Statistiken sind, was sie wirklich antreibt, welche Gewohnheiten sie haben, ob sie sich wohlfühlen, wenn sie nicht zu Hause sind. Ginge es dabei am Ende nicht einfach nur darum, clever und vergleichsweise kostengünstig Fehlinvestitionen zu vermeiden, erschiene einem der Profisport hier einmal fast menschlich.