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Performance:Das Wesen der Topfpflanze

Eine seltene Pflanze: die Münchner Performance-Künstlerin Ruth Geiersberger bei der Arbeit.

(Foto: Helge Classen)

Ruth Geiersbergers neueste "Verrichtung" im Gewächshaus

Der Zuschauer flaniert durch die Gewächshäuser des Botanischen Gartens und sieht exotische Pflanzen. Und Musiker und Künstler, zuweilen mit einem weißen Kittel bekleidet und mit Stirnlampe, die Klänge erzeugen. Hört eine Sängerin, die den Zuschauern später Blätter an ihre Kleidung näht, folgt einer Künstlerin, die eine Topfpflanze auf einem Rollbrett hinter sich herzieht und mit ihr spricht: "Ja, ist das gruselig bei den großen Pflanzen? Komm, wir gehen weiter!". Das kann nur Performancekunst sein.

Ruth Geiersberger, die in München schon lange als Koryphäe dieser Kunstform gilt und ihre Projekte "Verrichtungen" nennt, beschäftigt sich in ihrer neuesten Arbeit "Mit Pflanzen". Wie kommunizieren Pflanzen, was kann der Mensch von ihnen lernen? Kunst und Wissenschaft sollen sich treffen, deshalb werden die Besucher, nachdem sie durch die Gewächshäuser spaziert sind und Gesang und Klang gelauscht haben, dazu aufgefordert, "für einen Vortrag von Professor Volkmann und diversen Klangergüssen" den Künstlern in den nächsten Raum zu folgen. Ein Gewächshaus wurde bestuhlt und eine Bühne aufgebaut, ob der Beschaffenheit des Raumes ist aber je nach Platzwahl nicht allzu viel von der Bühne zu sehen. Aber es geht ja auch primär ums Hören. Und es gibt viel zu hören. Der spannende Vortrag des emeritierten Professors Dieter Volkmann wird immer wieder von Geiersberger und ihren Mitverrichtern mit Fragen und Tönen unterbrochen. Woher denn das Zittergras seinen Namen hat, zum Beispiel.

Danach verliert sich der Abend ein wenig: Es wird gesungen und Gedichte werden rezitiert, Klänge abgespielt und musikalisch improvisiert. Ruth Geiersberger erschafft in ihrer Performance schöne und anrührende Momente, etwa wenn sie eine Pflanze darstellt, die mit kleinen Schmatzgeräuschen ihre Nährstoffe zu finden sucht. Die ausgebildete Schauspielerin und Sängerin hat eine facettenreiche Stimme, die sie gezielt einzusetzen weiß: mal fiept und flattert sie, mal rezitiert sie sanft und schlägt dann kräftig aus. Dazwischen lange Klangergüsse mit Pausen, dann wieder etwas Gesang, dann eruptive Klänge. Es ist kalt geworden im Gewächshaus, und die Performance zieht sich scheinbar endlos, was auch an der repetitiven Vortragsart liegt. Einige Zuschauer verlassen das Gewächshaus. Haben Pflanzen eigentlich einen Geduldsfaden?