Literatur und Politik:"Es wird weh tun"

Alexijewitsch Belarus Pressefreiheit Meinungsfreiheit PEN

Die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch ist ist Präsidentin des PEN Belarus, der jetzt verboten werden soll.

(Foto: Kay Nietfeld/picture alliance / dpa)

Ein weiterer Schlag gegen die Meinungsfreiheit: In Belarus soll jetzt auch noch das PEN-Zentrum liquidiert werden.

Von Sonja Zekri

Seit Wochen gehen in Belarus schwere, wenn auch nicht überraschende Schläge auf Literatur und Publizistik nieder. Welche Diktatur hat schon Interesse am freien Wort? Am Mittwoch hatte das Justizministerium in Minsk beim obersten Gericht die Schließung des Belarussischen Verbandes der Journalisten beantragt. Nun droht auch dem belarussischen PEN-Zentrum das Aus. "Das deutsche PEN-Zentrum ist entsetzt, dass das Justizministerium eine Klage zur Liquidierung von PEN Belarus eingereicht hat", erklärte PEN-Vizepräsident Ralf Nestmeyer.

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte 1500 Organisationen und Journalisten beschuldigt, sie förderten "Terror statt Demokratie". Dutzende Büros und Wohnungen seien durchsucht worden, viele Journalisten sitzen in Haft. Besonders aggressiv gingen die Behörden gegen 21 Nichtregierungsorganisationen vor, so das deutsche PEN-Zentrum, auch gegen die Schwester-Organisation in Belarus und den Verband belarussischer Schriftsteller. Die PEN-Büros in Minsk sowie die Wohnung der Vorsitzenden seien durchsucht, Computer beschlagnahmt worden, das PEN-Konto in Minsk gesperrt. Der Vorsitzende des unabhängigen Verbandes belarussischer Schriftsteller, Barys Piatrovich, dürfe das Land nicht verlassen, habe Kommunikationsverbot und lebe unter Hausarrest.

Die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch ist Präsidentin des PEN Belarus und Mitglied des Verbandes belarussischer Schriftsteller. Sie hatte Belarus im Herbst 2020 verlassen, nachdem Staatsstreichvorwürfe gegen sie erhoben worden waren. Die Proteste nach der gefälschten Wahl im August 2020 und die Niederschlagung des Aufstandes haben der vielstimmigen belarussischen Literatur ein neues Thema gegeben. Viele Literaten veröffentlichen in den sozialen Medien, auch die Lyrikerin Sabrina Brilo, von der diese Zeilen stammen: "Der einzige Ratschlag/glaube an nichts./Die einzige Garantie - / es wird wehtun."

© SZ/RJB
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