Zum Tod von Pee Wee Ellis:Der Vater des Grooves

Pee Wee Ellis 1941 - 2021

Der "Inventor of Funk": Pee Wee Ellis, Saxofonist unter anderem von James Brown, Van Morrison oder Esther Phillips, ist tot.

(Foto: Avalon/action press)

Das Fundament von Pee Wee Ellis war der Blues, sein Metier die Rhythmik. Damit erfand er für James Brown den Funk. Der stahl ihm dafür die Songs.

Von Oliver Hochkeppel

Wenn James Brown der "Godfather of Soul" war, dann war Pee Wee Ellis der "Inventor of Funk". Der 1941 in Florida geborene, aber in Texas aufgewachsene Alfred Ellis, früh nur "Pee Wee" genannt, kam zwar vom Jazz - Sonny Rollins, den er mit 16 in New York auf der Straße getroffen und um Unterricht gebeten hatte, blieb sein Leitstern, was Ton und Kraft angeht. Aber mit exaltierter Technik und selbstverliebten Bebop-Soli hatte es der Saxofonist nicht. Sein Fundament war der Blues und sein Metier die Rhythmik.

Damit wurde er zur perfekten Ergänzung von James Brown. Der brachte Energie, Mundwerk und Choreografie mit, für das Musikalische aber, für die scharfen Grooves, die man Funk nennen sollte, war Ellis zuständig. Browns große Jahre, die von 1965 bis 1969, waren jene mit Ellis als musikalischem Direktor. Zeugen berichten, dass viele berühmte Stücke dieser Ära, nicht nur "Cold Sweat", von Ellis im Studio entwickelt, aber vom geschäftstüchtigen Brown vereinnahmt wurden. Ellis hatte deshalb irgendwann genug von dem Mann, "der dachte, er sei Musiker", und fand großzügigere Partner.

Am intensivsten war die Zusammenarbeit mit Esther Phillips und Van Morrison, er spielte aber auch für Blood, Sweat & Tears, George Benson, Marianne Faithfull oder Lenny Kravitz. Mit seinen alten James-Brown-Weg- und Leidensgefährten Fred Wesley und Maceo Parker trat er in den Achtzigerjahren endgültig die Funk-Erbschaft an. Erst gemeinsam als JB Horns, dann ging jeder auf Solo-Pfade. Ellis als Letzter, zunächst mit einer rein deutschen Band - der Münchner Schlagzeuger Guido May blieb bis zuletzt bei ihm. Vor Corona waren sie noch mit einer konkurrenzlos wuchtigen und lasziven Weihnachtsshow mit China Moses und Ian Shaw unterwegs. Die nächste Tour stand für 2022 an. Dazu kam es nicht mehr. Pee Wee Ellis ist bereits am vergangenen Freitag mit 80 Jahren in seiner südenglischen Wahlheimat gestorben.

© SZ/biaz
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