Da steht diese gekrümmte Figur am Bühnenrand. Weiße Stiefel, kurze knallrote Hosen und darüber ein gigantisch aufgepumpter Oberkörper. Unförmig ist er, wie eine aufgequollene Erdbeere, und man weiß nicht recht: Ist hier jemand sehr gut trainiert, oder ist er eben gar nicht trainiert und das hier doch ein fieser Buckel? Die Figur sieht jedenfalls so aus, als kippe sie jeden Moment nach hinten um. Die Last, die sie trägt, welche auch immer es sein mag, ist zu groß. Dann tritt sie in den Lichtkegel, schaut ins Publikum mit dunkel unterlaufenen Augen. Ein ungeheuer trauriger Blick, hoffnungslos erschöpft, aber nicht ganz ohne Neugier. Da hat sie einen schon für sich eingenommen. Man wird dieser Figur jetzt folgen durch alle Höhen und Tiefen, man wird mit ihr leiden, über sie lachen und, wenn man sich das erlaubt, sogar mit ihr weinen.
TheaterDer traurigste Mensch der Welt
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Paulina Alpen als manisch-depressiver Thomas Melle in „Die Welt im Rücken“ am Stuttgarter Staatstheater.
Julian BaumannEgal, ob depressiver Autor oder einsamer Käfer Gregor Samsa: Niemand kann am Theater derzeit so grandios betrübte Figuren spielen wie Paulina Alpen. Wie macht sie das nur?
Von Christiane Lutz
