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Kolumne "Nichts Neues":Die Ehefrauenmethode

Anleitung zum Unglücklichsein

Eine Kolumne über ältere Werke , die immer noch interessant sind. Diesmal: Der Weltbestseller "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick.

Von Johanna Adorján

Neulich habe ich mich gefragt, was wohl Paul Watzlawick macht, der Autor des Weltbestsellers "Anleitung zum Unglücklichsein". Ich wurde dann von dem Gedanken abgelenkt, was eigentlich die "Was macht eigentlich?"-Kolumne im Stern macht, gefolgt von der Frage, was eigentlich der Stern macht. Kam dann aber wieder zurück auf Paul Watzlawick. Um es kurz zu machen: Er ist tot. Er starb 2007 in Palo Alto, wo er lange gelebt hatte. Geboren wurde er 1921 in Österreich. Er war Psychotherapeut mit Schwerpunkt Kommunikationsforschung. Sein 1983 erschienenes erfolgreichstes Buch führt geistreich und sehr amüsant vor, wie wir uns das Leben selbst schwer machen.

Ich denke oft daran, weil die Geschichte mit dem Hammer drinsteht, die Sie natürlich alle kennen. (Kurz: ein Nachbar will ein Bild aufhängen, hat keinen Hammer, beschließt, sich beim Nachbarn einen auszuleihen, macht sich im Vorfeld Gedanken darüber, wie der Nachbar das finden könnte - habe er nicht gestern im Treppenhaus komisch geschaut, bestimmt wolle er seinen Hammer nicht ausborgen, das sähe ihm ähnlich etc. Als er schließlich beim Nachbarn klingelt und dieser ihm nichtsahnend die Tür öffnet, schreit er ihn an: "Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!") Beim Wiederlesen dieser Geschichte bemerkte ich, dass im selben Kapitel gleich noch so eine grandiose Szene geschildert wird. Watzlawick referiert darin die Theorie eines Soziologen namens Howard Higman, der zufolge Ehefrauen dazu neigen, völlig unmotiviert aus dem Nebenzimmer zu rufen: "Was ist das?" Sie tun dies, damit der Mann dann zu ihnen kommt und nachfragt, was gemeint ist. (1983 waren Beispielpaare verheiratet und heterosexuell.) Obwohl ich keine Ehefrau bin, beschlich mich die Ahnung, diese Methode möglicherweise selbst schon angewendet zu haben. Jedenfalls fühlte ich mich ertappt und zugleich gesehen. Aber jetzt kommt's: Einem Freund jenes Soziologen gelang es einmal, die Sache für sich zu entscheiden. Als seine Frau ins Nichts rief: "Ist es angekommen?", antwortete er: "Ja." Darauf sie: "Und wo hast du es hingetan?" Und er: "Zu den anderen." Daraufhin war Ruhe.

© SZ/hert
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