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"ParaNorman" im Kino:Schock und kreative Befreiung

"Coming of age" mit Zombies: Das kleine Studio Laika lehrt mit seinem morbiden Animationsfilm "ParaNorman" den großen Konkurrenten Disney und Pixar das Fürchten. Sein Chefanimator Travis Knight beschwört die alte Technik der Stop-Motion, die schon King Kong in Bewegung setzte.

Die Schule ist die reine Hölle, jeder Gang über den Schulhof ein Spießrutenlauf, bei dem der elfjährige Norman ausgelacht, gehänselt und schikaniert wird. "Kannst du nicht so sein, wie andere Kinder in deinem Alter?", fragt sogar sein Vater, und seine Schwester straft ihn mit Verachtung.

Themendienst Kino: ParaNorman

"ParaNorman:" Heraus aus der sauberen, sicheren Disney-Pixar-Welt hinüber in die dunkleren Gefilde.

(Foto: dapd)

Norman, der Außenseiter, der nirgends dazugehört. Der sich deshalb ganz eigenen Freunden zuwendet, die nur für ihn da sind. Morgens auf dem Schulweg grüßt er sie lässig im Vorübergehen, die Geister der Toten, die da herumlungern, die er sehen und mit denen er sprechen kann.

Den Mafiagangster in seinen Betonschuhen, die tattrige alte Lady oder den verunglückten Fallschirmspringer im Baum. Und wenn seine Eltern ihn trösten, dass seine gestorbene Oma jetzt an einem besseren Ort sei, erwidert Norman lapidar, "Nö, die sitzt im Wohnzimmer."

Coming of age also mit Zombies. Dank Normans besonderer Gabe rutscht der Film, der von ihm erzählt, aus der sauberen, sicheren Disney-Pixar-Welt hinüber in die dunkleren Gefilde, in denen sich beispielsweise schon die morbiden Helden Tim Burtons tummeln, die verrückten Teenager der Schlock-Movies der Sechziger und Siebziger, die Zombies der langlebigen Serie von George A. Romero.

"ParaNorman" ist ein Geschöpf des kleinen Laika-Studios, das zahlreiche Werbespots und Musikvideos produzierte und vor drei Jahren bereits Neil Gaimans "Coraline" zum Kino-Leben erweckt hat - gern wird es als Miramax der Animation bezeichnet.

Kreativität und Business

Für den abseitigen Charme der Laika-Produktionen ist vor allem Travis Knight verantwortlich, der Chefanimator und Produzent - eine rare Verbindung von Kreativität und Business: "Die Supermainstream-Arbeit hat mich von vornherein wenig interessiert", erklärt er beim Pressetermin in Berlin. "Da sind alle rauhen Kanten abgeschliffen, alles was ein bisschen schräg und interessant ist. In diesen harmlosen Geschichten wird nur an der Oberfläche gekratzt."

Neben ein paar Filmpuppen hatte Travis Knight auch das Originalset von Normans Zimmer mitgebracht, das man nun in allen Details studieren konnte - was im Tempo des Films meist nur en passant und ahnungsvoll möglich ist.

Den Wecker, der wie ein Grabstein aussieht, mit der doppeldeutigen RIP-Inschrift, die kuscheligen Monsterpantoffeln, die Grusel-Nachttischlampe mit ausleuchtbarem Gehirn, die handgemalten Plakate, die für Filme wie "Brain Eater", "Space Zombies" oder "Devil Dog" werben.

Spielplatz für große Kinder

Die weitläufigen Studiohallen von Laika, in Portland, Oregon, 1500 Kilometer entfernt von Hollywood, sind ein weitflächiger Spielplatz für große Kinder, und die Arbeit hier ist vom Zeitgeist ebenso inspiriert wie von der klassischen Tradition des Kinos.