Papiervirtuose Zusammenkunst

Wie der Papierkünstler Johannes Volkmann die Gedanken seiner Besucher lenkt.

(Foto: Catherina Hess)

Wie der Papierkünstler Johannes Volkmann die Gedanken seiner Besucher lenkt

Wer Angst vor den berüchtigten Mitmachtheaterversuchen hat oder solches Tun einfach nur hasst, sollte diesmal seine Gefühle ignorieren. Zwar sind Besucher bei seinen Gesellschaftsinszenierungen immer auch potenziell Mitwirkende - einerlei ob in Nürnberg, München, Ägypten oder Indien. Doch nicht von ungefähr prägte der gebürtige Münchner Johannes Volkmann für die Urheberschaft seiner Installationen jetzt den Begriff "Zusammenkunst". "Ich will weg von dem großen, individuellen Künstlerbegriff, weil ich der Ansicht bin, dass zentrale Themen gemeinsam aufgegriffen, diskutiert und gestaltet werden müssen", sagt der 48 Jahre alte Leiter des Nürnberger Papiertheaters.

Sein jüngstes in Nürnberg realisiertes Ausstellungsprojekt "Innere Stadt", das im neuen Jahr von München übernommen wird, ist solch ein Beispiel für den kreativen Umgang mit drängenden gesellschaftlichen Problemen unter Mitwirkung von "Bürgerbeteiligung": Volkmann und seine diversen Zusammenkünstler erstellten gemeinsam mit Flüchtlingen sogenannte persönliche Profiltafeln, die diese mit ihren Gedanken um die Vergangenheit und Wünschen für die Zukunft beschrifteten. Die in Papier verpackten Tafeln konnten Besucher im Kunstverein Kohlenhof dann gegen eine Spende wieder auspacken - und so mit den anwesenden "Künstlern" in Kontakt treten. Eine "menschliche Erstaufnahme", jenseits der bürokratischen Hemmnisse und Registrierungsbemühungen.

2016 startet Volkmann das Projekt "Anders herum denken": Dafür holte der umtriebige Papier-Philosoph gar das Stadttheater Fürth, die Kunst Galerie Fürth und das Künstlerhaus Nürnberg mit ins Boot. Die Zusammenkünstler sammeln gebrauchte Pappschachteln, um sie später umzudrehen und für eine Installation in den beteiligten Galerien neu zusammensetzen. Dort können die Besucher dann einzelne Objekte von der Wand nehmen und tauschen - "und zwar gegen einen schriftlich formulierten Gedanken dazu, was man ,anders herum denken könnte oder sollte'", sagt Volkmann. Ideen, die dann am 22. April die Grundlage für eine Uraufführung im Stadttheater Fürth bilden - unter Mitwirkung eines "Bürgerchors".