Irgendwann kriegt die Schwerkraft uns alle. Mario de Santis (Toni Servillo) ist der Präsident von Italien, seine siebenjährige Amtszeit neigt sich dem Ende zu. Er kann nicht mehr träumen, dabei würde er so gern, und zwar von der Schwerelosigkeit. In einer grandiosen Szene in Paolo Sorrentinos Film „La Grazia“, der am Mittwochabend die 82. Filmfestspiele von Venedig eröffnet, steht dieser Präsident vor seinem Amtssitz, um den portugiesischen Amtskollegen zu empfangen, der noch älter und gebrechlicher ist als er selbst. Und während der portugiesische Präsident über den roten Teppich auf de Santis zustrauchelt, tut sich der Himmel auf, und ein von gewaltigen Windböen begleitetes Gewitter prasselt auf Rom nieder und reißt den greisen Würdenträger in Zeitlupe zu Boden.
82. Filmfestspiele in VenedigDer langsame Abschied
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Zur Eröffnung ein Glücksgriff: Paolo Sorrentinos „La Grazia“ erzählt von einem alternden Präsidenten, der sich weigert, ein Sterbehilfegesetz zu unterzeichnen. Er quält sich mit der Frage: Gehört unsere Lebenszeit wirklich nur uns selbst?
Von Susan Vahabzadeh
