Ein Chor der Splitterparteien ruft in Kassel nach einem Neuanfang für Deutschland, doch so konträr die Ziele sind, als Praktikanten der Aufklärung klingen sie alle gleich dissonant.

Wer nicht grundsätzlich mit kunstgewöhnten Augen unterwegs ist, dürfte von dieser Politik-Messe und ihren Begleitumständen etwas irritiert sein. Vor der Fassade des klassizistischen Musterbaus liegt ein Bombenfindling, und ein Bauschild erklärt, dass der Ostflügel des Museums in ein Arbeitsamt umgebaut wird.

Über dem Eingang, den schon Millionen Documenta-Besucher passiert haben, hängt das Firmenschild des ostdeutschen Super-Discounters MäcGeiz, und hinter der Tür verlangen dessen rot uniformierte Kassiererinnen Museumseintritt. Da machen bereits die meisten Besucher verwirrt wieder kehrt, obwohl vom Top-Dog-Hundekuchen bis zum Sponge-Bob-Untersetzer alles echt verkauft wird.

Im Atrium steht dann ein haushoher Weihnachtsbaum in einer Spielhalle, die Balustraden sind verkleidet mit Plakaten deutscher Weltfirmen, dahinter sind eine Tourismus-Messe der Neuen Deutschen Länder, ein Solarium und ein Fitnessstudio aufgebaut - alles voll funktionstüchtig. Nur das Islamische Zentrum Kassel ist leider geschlossen. Schnell wird es obskur.

Foto: dpa

9. September 2008, 14:432008-09-09 14:43:00 ©