Ostdeutschland als KunstwerkDDR: Dusch Dich Richtig

Ostdeutschland zum Anfassen mit MäcGeiz, Kegelbahn und Solarium: Der Schweizer Künstler Christoph Büchel stellt in Kassel seine Version der Wiedervereinigungsgeschichte aus.

Bei MäcGeiz im Fridericianum Kassel sondiert ein Punker-Pärchen mit T-Shirts der Pogo-Partei das Angebot. "Schau mal", ruft sie begeistert aus, "hier gibt es Pitti Katzenmilch!" Aber der Punkergatte mit dem tätowierten Christenkreuz auf dem Oberarm ist anderer Meinung: "Schokolade würde viel mehr rocken als Gummibärchen", murmelt er vor sich hin.

Ein Stockwerk darüber spricht ein Vertreter der NPD zu feindlich gesinnten Zuhörern über seinen Kummer, dass niemand mit ihnen diskutieren möchte, und erklärt schließlich: "Die multikulturelle Gesellschaft ist ein Massengrab", wofür er sich den Spottgesang anhören muss: "Du siehst nicht arisch aus."

Man mag sich fragen: Wo bin ich hier zu Besuch? Markenstolze Anarchisten sowie Volksideologen, die sich freiwillig verspotten lassen? Ja, ist denn schon Karneval? Denn auch die anderen Parteien, die hier anzutreffen sind, verfolgen aberwitzige Anliegen: zurück zur D-Mark oder entschädigungslose Rückgabe von Schlesien und Ostpreußen etwa, Wunder ohne Wirtschaft, Weltfrieden, höhere Steuern für die Reichen oder eine spirituelle Politik.

Foto: dpa

9. September 2008, 14:432008-09-09 14:43:00 ©