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Oscars 2017:Große Panne, große Hoffnung

War Jimmy Kimmels Moderation unterhaltsam? Hier und da. War die Show so politisch wie erwartet? Definitiv nein. Warum es sich trotzdem gelohnt hat, die Oscars 2017 anzuschauen.

Jimmy Kimmel konnte nur verlieren. Das sei das erste Mal, dass er die Oscar-Verleihung moderieren dürfe, sagte der 49-Jährige zu Beginn der Show, und vermutlich werde es auch das letzte Mal sein - "bei dem Tempo, in dem ihr Oscar-Moderatoren verschleißt". Nach einem knapp vierstündigen Vergabemarathon wandte sich der Mann, der hauptberuflich eine der erfolgreichsten Late-Night-Shows im amerikanischen Fernsehen bestreitet, nochmals ans Publikum: "Ich gebe mir die Schuld. Ich wusste, dass ich diese Show vermassle. Ich verspreche euch, ich werde nie zurückkommen!" Seine Zuhörer schwankten zu diesem Zeitpunkt zwischen Belustigung und Fassungslosigkeit.

Kimmels Schlusssatz war ein ehrenwerter Versuch, die vielleicht größte Panne in der Oscar-Geschichte auf die eigene Kappe zu nehmen. Minuten vorher hatten die Hollywood-Größen Faye Dunaway und Warren Beatty fälschlicherweise "La La Land" zum besten Film des vergangenen Jahres erklärt - tatsächlich hatte die Oscar-Jury aber für "Moonlight" gestimmt. Wie es zu diesem Missverständnis kommen konnte? Dunaway und Beatty hatten den falschen Umschlag ausgehändigt bekommen.

Academy Awards

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Der Job, der an diesem Abend Verlierer statt Gewinner produzierte, war also in Wahrheit der des Laudators. Jordan Horowitz, einer der Produzenten von "La La Land", musste seine Dankesrede abbrechen und die Konkurrenten auf die Bühne bitten - das tat er mit einer Größe, für die er mindestens einen Goldjungen verdient hätte. Manchmal stimmt das von Hollywood oft bemühte Klischee tatsächlich: Helden schreibt das wahre Leben.

In einem schwarzen Macho-Gangster-Milieu gibt es für einen homosexuellen Jungen Prügel

Apropos: Wenn die Academy im Nachklapp Entschuldigungen aussprechen sollte (und das sollte sie!), müssen die auch an die Adresse der "Moonlight"-Crew gehen. Obwohl das überwiegend afroamerikanische Team um seinen großen Moment gebracht worden war - was vor dem Hintergrund der #OscarsSoWhite-Debatte im vergangenen Jahr umso trauriger ist -, verzichteten die Preisträger auf bittere Abrechnungen. In Erinnerung bleiben wird dagegen der Blick von Ashton Sanders an die Decke des Dolby Theaters. Sein Gesichtsausdruck deutete darauf hin, dass dort oben keine Scheinwerfer zu finden waren, sondern das pure Glück.

Der 21-Jährige ist einer der Hauptdarsteller des Films über einen afroamerikanischen Jungen, der feststellen muss, dass es für Homosexualität keinen Platz gibt in der Welt, in der er aufwächst. In einem schwarzen Macho-Gangster-Milieu bekommt er, der seinen besten Freund liebt, vor allem eines: Prügel. Für Chiron, den Titelhelden von "Moonlight", gibt es am Ende keine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ganz anders im wahren Leben: Dort nehmen die Mitwirkenden gleich zwei Dinge mit nach Hause - einen Oscar und die Gewissheit, dass sich etwas ändern kann. Auch wenn es manchmal einen zweiten Anlauf dafür braucht.

Den wird es für Jimmy Kimmel nach eigener Aussage nun nicht geben. Und wer will es dem 49-Jährigen verdenken, dass er genug hat von den Oscars? Seine Moderation war schon vor dem Verleihungs-Fauxpas zum Scheitern verurteilt.

Kimmels Job: eine politisch-kritisch-humorige Wollmilchsau-Performance

Der Late-Night-Moderator musste nicht durch irgendeine Oscar-Verleihung führen: Die 89. Ausgabe sollte die politischste seit Langem werden. Bei den Golden Globes einige Wochen zuvor hatte Meryl Streep immerhin einen beleidigenden Tweet vom US-Präsidenten höchstpersönlich provoziert. Und die Globes sind nur die zweitwichtigste Filmpreisverleihung der Welt! So was setzt unter Druck, die Preisträger und natürlich den Moderator. Von dem wurde vor diesem Abend nicht weniger erwartet, als eine politisch-kritisch-humorige Wollmilchsau-Performance hinzulegen. Wenn der Trump'sche Zorn in der Folge ganz neue Social-Media-Dimensionen annehmen würde - umso besser.