Oscar-Nominierungen 2016:Krisen, in allen Lebenslagen

Bei den Filmen, die in der Königskategorie bei den Oscars nominiert sind, geht es um nichts anderes. Welchen gönnen Sie den Preis? Die Nominierten im Überblick.

Von Carolin Gasteiger

20 Bilder

The Revenant 20th Century Fox

Quelle: 20th Century Fox

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Wie kommen Menschen durch eine Krise - im All, in der Wildnis, in der Fremde? Wie schaffen sie es, zu überleben? Müsste man für die Auswahl der besten Filme bei den diesjährigen Oscars ein Motto finden, wäre es wohl dieses. Abgesehen natürlich von der #oscarssowhite-Debatte. Die Nominierten im Überblick:

The Revenant

Mit zwölf Nominierungen, darunter "Bester Film", "Beste Regie" und "Bester Hauptdarsteller", gilt "The Revenant" als Favorit der 88. Oscarverleihung. In dem Rachedrama von Alejandro Gonzáles Iñárritu friert sich Leonardo DiCaprio in der Wildnis Frostbeulen an, beißt sich durch Bisonleber - und alles nur, um endlich den begehrten Academy Award in Händen zu halten.

Hier sehen Sie eine Rezension im Video.

'The Revenant'

Quelle: 20th Century Fox/dpa

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Kein Wunder, dass Leonardo DiCaprio mit dieser Harter-Bursche-überlebt-in-Natur-und-rächt-sich-Rolle als bester Hauptdarsteller nominiert ist; würdigt die Oscar-Jury doch gern Rollen, die den Darstellern auch körperlich viel abverlangen. Tatsächlich ist DiCaprio inzwischen zum sechsten Mal nominiert, ein Mal als Produzent ("Wolf of Wall Street"). Nun werden niemandem so große Chancen auf einen Academy Award zugeschrieben wie ihm. Bei den Golden Globes und den Baftas hat es immerhin schon geklappt. Na dann viel Glück!

Als bester Nebendarsteller ist Tom Hardy nominiert, mit dem DiCaprio bereits 2010 für "Inception" vor der Kamera stand. In "The Revenant" mimt er nun den Bösewicht und DiCaprios Gegenspieler und könnte dafür mit seinem ersten Oscar ausgezeichnet werden.

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Quelle: AP

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Mad Max: Fury Road

Auch in "Mad Max" geht es um eine Art von Überleben, wenn auch auf futuristische Weise. "Ein Film wie ein Monstertruck" - so bezeichnete SZ-Kritiker Tobias Kniebe den vierten Teil der "Mad Max"-Reihe, in dem ebenfalls Tom Hardy mitspielt. Tatsächlich ließ Regisseur George Miller die finale Tanklasterfahrt aus der dritten Episode keine Ruhe. Und so artet "Mad Max: Fury Road" zur hemmungslosen Materialschlacht aus - und ist dabei viel mehr als nur ein Roadmovie. Der Aufwand hat sich jedenfalls gelohnt - der Actionfilm ist zehn Mal nominiert, darunter in der Königskategorie "Bester Film".

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Quelle: SZ

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Bridge of Spies - Der Unterhändler

Auch gern gesehen bei der Oscars-Jury: die Kategorie Zeitgeschichte. In "Bridge of Spies" versucht Tom Hanks einen sowjetischen Spitzel (Mark Rylance) vor der US-Justiz zu retten. Mit "Bridge of Spies" setzt Steven Spielberg, der selbst eine Vorliebe für Geschichten aus dem Kalten Krieg hat, all dem "eine Art Denkmal, was er am derzeitigen Politikstil vermisst: Sinn für Diplomatie, eherne Grundsätze, Rationalität, vorausschauendes Denken", heißt es in der SZ-Rezension. Ein spannender Spionagethriller, der insgesamt für sechs Oscars nominiert ist.

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Quelle: AP

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Hanks ist dieses Mal nicht nominiert, aber Mark Rylance. Der 56-Jährige, der vor kurzem auf Arte als Thomas Cromwell zu sehen war, spielt den sowjetischen Spion - und könnte als bester Nebendarsteller gewinnen. Außerdem können Matt Charman und die Coen-Brüder auf einen Academy Award für das beste Originaldrehbuch hoffen.

eremy Strong, Steve Carell, Ryan Gosling, Jeffry Griffin

Quelle: AP

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The Big Short

Die Finanzkrise aus der Perspektive der Opfer zu schildern oder aus Sicht der tricksenden Banker war Bestseller-Autor Michael Lewis zu langweilig. Warum nicht einige Outsider zu Wort kommen lassen, die den Betrug hinter allem erkannten? Auf Lewis' Sachbuch basiert nun "The Big Short", dessen Cast das Who is Who männlicher Hollywood-Darsteller repräsentiert: Ryan Gosling, Christian Bale, Steve Carell, Brad Pitt. Auf ironische Weise versucht Regisseur Adam McKay, die Mechanismen hinter der Wall Street zu entlarven und zu zeigen, wie seine Hauptfiguren die Finanzkrise überstehen - auf ihre ganz eigene Weise.

Christian Bale

Quelle: AP

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Finanz-Dramen wie "The Big Short" oder "Wolf of Wall Street" kamen in Hollywood schon immer gut an. "The Big Short" ist nicht nur als "Bester Film" nominiert, sondern in vier weiteren Kategorien. Christian Bale könnte als bester Nebendarsteller gewinnen, außerdem - zur Überraschung vieler - Regisseur Adam McKay.

Saoirse Ronan Emory Cohen

Quelle: AP

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Brooklyn

Das Liebesdrama (hier geht's zur Rezension) handelt von einer jungen Irin, die in den Fünfzigern in die USA emigriert und sich bald zwischen zwei Welten hin- und hergerissen fühlt. Wie überlebt sie ihre Krise in der Fremde? "Brooklyn" ist nicht nur als bester Film nominiert; Saoirse Ronan (hier im SZ-Interview, mit SZ Plus) könnte als beste Hauptdarstellerin gewinnen, Nick Hornby für sein adaptiertes Drehbuch ausgezeichnet werden.

Golden Globe ´Der Marsianer"

Quelle: dpa

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Der Marsianer - Rettet Mark Watney

Einen Vorsprung hat Matt Damon gegenüber Leonardo DiCaprio - er hat bereits einen Oscar in der Tasche (1998 für das beste Originaldrehbuch für "Good Will Hunting", mit Ben Affleck). Als Mark Watney, der in "Der Marsianer" (hier geht's zur Rezension) allein auf dem Mars zurückgelassen wird und sehen muss, wie er überlebt, könnte er nun als bester Hauptdarsteller gewinnen. Als Botaniker kommt Watney auf abstruse, aber gewitzte Ideen, wie man Kartoffeln anbaut, wie man an Wasser kommt - oder sich die Zeit mit Abba im Ohr vertreibt - denn das ist die einzige Musik, die er hat. Aber ob sich ein gewitzter Botaniker gegen Leonardo DiCaprios Bisonleber essenden Naturburschen durchsetzen kann, ist fraglich. Schwacher Trost: "Der Marsianer" ist in fünf weiteren Kategorien nominiert, darunter bestes adaptiertes Drehbuch.

Golden Globe - 'Room'

Quelle: dpa

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Raum

Von den Weiten des Weltalls zurück in einen ganz kleinen Raum: In Lenny Abrahamsons Bestseller-Adaption gelingt Brie Larson und ihrem fünfjährigen Sohn nach jahrelanger Gefangenschaft die Flucht. Für die Jury war diese Leistung der 26-Jährigen oscarreif - Larson ist als beste Hauptdarstellerin nominiert. Insgesamt tritt der Film in vier Kategorien an.

Michael Keaton Liev Schreiber Mark Ruffalo Rachel McAdams John Slattery Brian díArcy James

Quelle: AP

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Spotlight

In "Spotlight" geht es indirekt um eine Lebenskrise, und zwar um einen Missbrauchsfall in der Katholischen Kirche, den mehrere Journalisten des Boston Globe aufdecken. Herausragend agieren in der Crew Rachel McAdams, nominiert als beste Nebendarstellerin, und Mark Ruffalo mit Chancen als bester Nebendarsteller. Außerdem könnte "Spotlight", der vor "The Revenant" als Favorit gehandelt wurde, in den Sparten "Bestes Originaldrehbuch", "Bester Schnitt" und "Beste Regie" gewinnen.

Rooney Mara Cate Blanchett

Quelle: AP

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Beste Hauptdarstellerin

Zwei Oscars hat Cate Blanchett schon, mit "Carol" (hier zur Video-Rezension) könnte sie nun ihren dritten gewinnen. In der Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen in den Fünfzigern übernimmt Blanchett den Part der lebenserfahrenen Titelfigur.

Lange war überhaupt nicht sicher, ob es das gefühlige Drama überhaupt geben würde; immer wieder äußerten Produzenten und Regisseure Interesse, durchziehen wollte jedoch niemand das Projekt. Bis Todd Haynes kam. Leider wurde "Carol" in der Kategorie "Bester Film" nicht berücksichtigt, trotzdem ist er insgesamt in sechs Kategorien nominiert. Rooney Mara könnte als beste Nebendarstellerin gewinnen. Sie mimt die unerfahrene Verkäuferin Therese, die auf dem Weg zu sich selbst allerlei Verlockungen erliegt - vor allem Carol. "Carol" ist nach "Verblendung", in der Mara die Hackerin Lisbeth Salander spielt, ihre zweite Oscar-Nominierung.

"Joy" im Kino; Jennifer Lawrence, Robert De Niro

Quelle: 2015 Twentieth Century Fox

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Aus der Liste der Oscar-Anwärterinnen als beste Hauptdarstellerin ist Jennifer Lawrence kaum mehr wegzudenken. In diesem Jahr ist sie erneut nominiert - für ihre Rolle in "Joy" (hier geht's zur Rezension). Die hat durchaus Oscar-Zutaten: Starke Frau arbeitet sich aus eigener Kraft aus der Misere hoch und macht Karriere. Mit dem Familienbusiness. Gut möglich, dass Lawrence damit ihren zweiten Oscar holt.

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Quelle: AP

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Minimalistisch und doch meisterlich spielen Charlotte Rampling und Tom Courtenay als alterndes Ehepaar in "45 Years", schreibt SZ-Kritikerin Susan Vahabzadeh. Der 70-jährigen Britin könnte die Rolle der Kate nun einen Oscar einbringen. Unter allen Kandidatinnen fiele Rampling auf jeden Fall der Altersjoker zu.

Bryan Cranston

Quelle: AP

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Bester Hauptdarsteller

Unter den Kandidaten für den besten Hauptdarsteller sind drei, deren Filme nicht nominiert wurden.

Als Crystal Meth vertickender Chemielehrer aus Breaking Bad hat Bryan Cranston bereits diverse Preise erhalten; nun ist er als bester Hauptdarsteller nominiert. In "Trumbo" spielt Cranston Dalton Trumbo, der in den Fünfzigern in Hollywood als Drehbuchschreiber arbeitete und bekennender Kommunist war. Das war jener Trumbo, den Kirk Douglas für "Spartacus" engagierte und im Abspann aufführte - ein Skandal zur damaligen Zeit. Biopics gelten zwar als aussichtsreich bei den Oscars. Aber auch Cranston dürfte gegenüber der starken Konkurrenz abfallen.

'Steve Jobs'

Quelle: Universal Pictures/dpa

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Bei den Golden Globes wurde Aaron Sorkin ("The Social Network") noch für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet; bei den Oscars geht er leer aus. Trotzdem ist "Steve Jobs" in zwei Kategorien nominiert:

Michael Fassbender hat in diesem Jahr Chancen auf einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Anders als der vorhergehende Jobs-Film mit Ashton Kutcher widmet sich Sorkin nur drei Episoden im Leben des verstorbenen Apple-Gründers. Und Fassbender spielt Jobs als "unterschätzten Vordenker mitten im Evolutionsprozess zum verehrten Genie" (hier geht's zur Rezension). Oscar-würdig? Vielleicht. Aber gegenüber DiCaprio hat Fassbender eher Außenseiterchancen.

Außerdem ist Kate Winslet als beste Nebendarstellerin nominiert - in der Rolle als Jobs' eigenwillige Marketingchefin, die ihrem Boss gern und oft widerspricht.

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Quelle: AP

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Wieder in einer exzentrischen Rolle, wieder nominiert: Eddie Redmayne gehört zum zweiten Mal in Folge zu den Oscar-Anwärtern in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller". In "The Danish Girl" (hier geht's zur Rezension) mimt der Brite den Maler Einar, der für seine Frau Gerda (Alicia Vikander; als beste Nebendarstellerin nominiert) Modell steht. Als Frau. Und sich bald genau in diese verwandelt. Als Stephen Hawking hat Redmayne im vergangenen Jahr bereits den Oscar gewonnen - für eine markante Verwandlung. Sollte das erneut klappen, wäre es zwar eine gerechtfertigte, aber ziemlich langweile Entscheidung der Jury.

Michael B. Jordan Sylvester Stallone

Quelle: AP

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Bester Nebendarsteller

Rocky ist zurück! Und Sylvester Stallones Nominierung als bester Nebendarsteller dürfte die größte Oscar-Überraschung in diesem Jahr sein. Aber auch Rocky wird älter: In "Creed" (hier gehts' zur Rezension) trainiert der inzwischen 69-Jährige den Sohn seines früheren Boxgegners. Mit lakonischem Blick und knarzender Stimme. Und jeder Kampf ist ein Kampf gegen das Vergessen - auch für Sly Stallone. Vielleicht wird er ja dafür mit einem Oscar belohnt. Viele hatten gehofft, dass "Creed" (neben "Straight Outta Compton") als bester Film nominiert wird. Nun hoffen sie zumindest auf Stallone. Alle anderen nominierten Nebendarsteller wurden bereits aufgeführt.

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Quelle: AP

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Beste Nebendarstellerin

Jennifer Jason Leigh ist die einzige Nebendarstellerin, deren Film nicht auch in der Königskategorie nominiert ist. Sie spielt in "The Hateful Eight" die Verbrecherin Daisy Domergue, die in Red Rock an den Galgen soll - und ist der blutverschmiert-grinsende Hingucker in Quentin Tarantinos jüngstem Werk. Leigh spielt mit so viel ironischer Verschlagenheit, dass es der Academy eine Oscar-Nominierung wert ist.

jetzt.de patrick vollrath

Quelle: Privat

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Die deutsche Hoffnung

Patrick Vollrath ist der kleine, deutsche Hoffnungsschimmer am Academy-Horizont: Mit seinem Kurzfilm "Alles wird gut" ist der 30-Jährige für einen Oscar nominiert. In dem Film geht es um einen geschiedenen Vater und die Liebe zu seiner Tochter, gedreht an nur sechs Tagen in Wien (hier lesen Sie ein Interview mit Vollrath auf jetzt.de).

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© SZ.de/ihe/ghe
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