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Oscar-Nominierungen 2010:Schieflagen der Wahrnehmung

Die ewig Unterschätzten und die allseits Gefeierten: Warum Christoph Waltz, Jeff Bridges, Sandra Bullock und "Avatar" für den Oscar nominiert sind.

Dem österreichischen Filmemacher Michael Haneke ist bei den Oscar-Nominierungen ein unerwarteter Doppelschlag gelungen. Dass sein Historiendrama "Das weiße Band" als bester fremdsprachiger Film auf der Liste stehen würde - den Golden Globe hat er schon gewonnen - war fast ausgemachte Sache.

And the Oscar goes to ... Christoph Waltz? Sandra Bullock?George Clooney - oder doch jeff Bridges? Die Verleihung des begehrtesten Filmpreises der Welt ist am 7. März.

(Foto: Foto: Reuters)

Aber "Das weiße Band" ist noch in einer zweiten Kategorie dabei: Christian Berger, der bei den meisten von Hanekes Filmen für die Bildgestaltung zuständig ist, wurde als bester Kameramann nominiert. Christoph Waltz ist, ebenfalls erwartungsgemäß, als bester Nebendarsteller im Rennen, für Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds", einen Ensemblefilm ohne richtige Hauptrolle.

Ansonsten deutete sich bei der Bekanntgabe der Nominierungen der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ein Kampf des Titans gegen einen Außenseiter an, King Cameron gegen Kathryn Bigelow - die übrigens, eigenartiges Detail, mal miteinander verheiratet waren. Camerons "Avatar", der erfolgreichste Film der Neuzeit, und Bigelows Irakkriegs-Actiondrama "The Hurt Locker", nach der Premiere 2008 in Venedig erst mal aufs nächste Jahr verschoben und - sperrig und brutal wie der Film ist - nicht gerade ein Kassenknüller, sind beide in jeweils in neun Kategorien dabei.

Kathryn Bigelow ist nach Lina Wertmüller (1977), Jane Campion (1994) und Sofia Coppola (2004) überhaupt erst die vierte Frau, die bei den Oscars im Regiefach nominiert ist. Gewonnen hat noch keine, kann ja aber bei der Verleihung am 7. März noch werden.

Übersehen

Erstmals gibt es in diesem Jahr zehn Nominierungen für den besten Film. Außer "Avatar" und "The Hurt Locker" sind also noch acht weitere Filme im Rennen - die kleine Scifi-Überraschung "District 9", noch ein 3D-Film, Pixars "Up", dazu "Inglourious Basterds", erwartungsgemäß Jason Reitmans Vielfliegerdrama "Up in the Air", "A Serious Man" von den Coens, "An Education", "Precious" und das Footballdrama "The Blind Side".

Sandra Bullock ist für "The Blind Side" auch als beste Hauptdarstellerin wählbar - zum ersten Mal. Und tritt gegen Meryl Streep an, mit Nora Ephrons Kochkomödie "Julie und Julia" dabei, die schon zwei Oscars hat und nun zum sechzehnten Mal nominiert ist. Auch im Rennen ist Helen Mirren für ihre Rolle als Tolstois Frau Sofia in "Ein russischer Sommer".

Als bester Hauptdarsteller tritt George Clooney für "Up in the Air" gegen Morgan Freeman an, der einen wirklich göttlichen Nelson Mandela in Clint Eastwoods "Invictus" gespielt hat - aber der Favorit ist trotzdem ein anderer: Jeff Bridges, der in "Crazy Heart" einen heruntergekommenen Countrysänger verkörpert. Er ist nun zum fünften Mal nominiert, seit er 1971 für Bogdanovichs "The Last Picture Show" dabei war.

Bridges ist einer der ganz großen amerikanischen Schauspieler - aber das wird gern übersehen. Die Academy rückt solche Schieflagen der Wahrnehmung in rührseligen Momenten gern zurecht, und bei den Globes, wo Bridges siegte, hat er sich schon beklagt: Sein Status als ewig Unterschätzter beginnt zu bröckeln.

Im Video: Der deutsche Film "Das weiße Band" hat Chancen auf einen Oscar. Das Drama des österreichischen Regisseurs Michael Haneke wurde bei den Oscar-Nominierungen in Los Angeles in der Kategorie bester nicht englischsprachiger Film vorgeschlagen. Ebenfalls hoffen kann der Schauspieler Christoph Waltz. Der österreichische Schauspielstar ist nach vielen Preisen für seine Nebenrolle in der Kriegssatire "Inglourious Basterds" nun auch für einen Oscar nominiert worden.

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Screen Actors Guild Award

Auf der Waltz