Oscar 2011:Die Nacht der langen Hälse

Die 83. Oscar-Verleihung stand optisch gänzlich im Zeichen des Schwans: Grazile Roben drapierten sich rund um Natalie Portman und den Film "Black Swan". Die Ausnahmen von der Regel und der Rest vom Fest in Bildern.

Ruth Schneeberger

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(Foto: REUTERS)

Die 83. Oscar-Verleihung stand optisch gänzlich im Zeichen des Schwans: Grazile Roben drapierten sich rund um Natalie Portman und den Film Black Swan. Die Ausnahmen von der Regel und der Rest vom Fest in Bildern. Herzlich willkommen zur Oscar-Nacht inmitten größter Harmonie: Nicht nur, dass die vorhergesehenen Hauptdarsteller am Ende die Hauptpreise abgeräumt haben - auch die Festroben der übrigen Gäste erinnerten preisverdächtig an wahlweise weiße oder schwarze Schwäne. Nur zwei Damen hätten sich zuvor besser abstimmen sollen: Anne Hathaway, die mit James Franco durch den Abend führte, ... Text und Bildauswahl: Ruth Schneeberger/sueddeutsche.de/kar/lala

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... und Nicole Kidman, die für den Hauptrollen-Oscar nominiert war. Beide trugen dasselbe Kleid, nur die Stickerei andersherum. Kidman wurde der Oscar für ihre erste Rolle mit Stirnfalte seit langer Zeit (Rabbit Hole) nicht verliehen, ...

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... Anne Hathaway zog sich dafür umso öfter um und schlüpfte für eine Zwischenmoderation dann auch mal in die schwarze Schwanenrobe. Insgesamt gab sie sich sichtlich Mühe, die in sie und ihren Ko-Moderator gesetzten Erwartungen zu erfüllen, die 83. Verleihung der Oscars im Kodak Theatre in Los Angeles zu verjüngen und aufzupeppen - allein, es scheiterte unter anderem an James Franco: Der vielversprechende Nachwuchsschauspieler, zu Recht für seine Rolle in 127 Hours ebenfalls für den Hauptrollen-Oscar nominiert, blieb als Moderator stets steif. Da konnte die hochmotivierte Plötzlich-Prinzessin-Darstellerin in noch so viele hübsche Schwanenrollen schlüpfen, ...

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... das jüngste Oscar-Moderatoren-Paar aller Zeiten (sie 28, er 32) war zwar eine optische Augenweide, vom Unterhaltungscharakter her aber blieb es wohl unter seinen Möglichkeiten. Wohlwollend ausgedrückt. Vielleicht war es aber auch zu viel verlangt von den beiden, die altehrwürdige Oscar-Verleihung alleine aufzufrischen - denn diese Nacht war vor allem eines: eine Verneigung vor dem Klassiker.

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Deshalb erhielt Natalie Portman den Hauptrollen-Oscar für ihre verzweifelte Darstellung einer klassischen Primaballerina, deren größtes Problem es ist, in dem Ballett-Klassiker nicht gleichzeitig die Rolle des schwarzen und des weißen Schwans abendfüllend ausfüllen zu können, ...

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... aus den Händen eines anderen Klassikers: Jeff Bridges, der im vergangenen Jahr den Hauptrollen-Oscar gewann und in diesem Jahr schon wieder für eine ähnliche Rolle nominiert war, für die John Wayne schon 1970 seinen einzigen Oscar bekam, übernahm die väterliche Rolle des Laudators für die hochschwangere Natalie Portman, 29. Klassisch auch ...

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... der männliche Oscar: Für seine Rolle als stotternder Royal zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs wurde - wie zu erwarten - Colin Firth als bester Schauspieler ausgezeichnet. Die Rolle ist dem Briten mit dem ernsten Gesicht wie auf den Leib geschrieben. Der Film The King's Speech selbst, mit zwölf Nominierungen ins Rennen gegangen, ...

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... räumte in dieser Nacht dann doch nur vier ab (Bester Film, Beste Hauptrolle, Beste Regie und Bestes Original-Drehbuch). Immerhin - aber da der Film ebenfalls ein sehr klassiches Genre bedient, erschien es der Jury in Sachen Filmtechnik dann wohl doch angemessen, noch ein paar Filme auszuzeichnen, die sich auf der Höhe der Zeit bewegen:

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(Foto: AP)

Der im wahrsten Sinne des Wortes traumhafte Film Inception mit Leonardo DiCaprio gewann ebenfalls vier Oscars - für seine visuellen Effekte, die Beste Kamera, den Besten Ton und den Besten Tonschnitt (im Bild überreicht von Scarlett Johansson und Matthew McConaughey an Richard King), ...

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... wofür die Johansson sich wieder einmal ordentlich in Schale geworfen hatte, und zwar in die mit derselben Farbe wie Natalie Portman, das nun seit längerer Zeit wieder ordentlich angesagte klassische Weinrot. Dafür mit ordentlich ausladendem Rückenausschnitt. Sie selbst war nicht nominiert, soll aber ...

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(Foto: AFP)

... ihren "Sexiest man Alive", Ehemann und Kollegen Ryan Reynolds, an Kollegin Sandra Bullock abgegeben haben, deren ehemaliger Ehemann wiederum in diesen Tagen eine Tätowierkünstlerin zu ehelichen gedenkt. Dies aber nur am Rande. Sandra Bullock machte Bella Figura nicht nur am Rande, ...

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(Foto: REUTERS)

... sondern auch auf der Bühne, bevor sie den Oscar für die beste männliche Hauptrolle vergab, und zwar sogar so spritzig, dass man lieber ihr die Moderation des Abends übergeben hätte. Aber dazu war es dann schon zu spät. Ebenfalls sehr vertraut:

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(Foto: REUTERS)

Justin Timberlake, der mit dem Film The Social Network vom Gesang ins Charakterfach wechselt und mit Schauspielerin Mila Kunis außer der strahlenden Laune noch mindestens eines gemeinsam hat: Sie hätte ebenfalls für den Nebenrollen-Oscar nominiert werden können - und hätte vermutlich keine schlechten Chancen gehabt: Die 27-Jährige spielt in Black Swan sehr überzeugend den schwarzen Schwan, der 30-Jährige recht gelungen in The Social Network den Napster-Erfinder Sean Parker. In dieser Nacht aber hatten die beiden Jungstars den Oscar in andere Hände zu vergeben, und zwar an den besten Animationsfilm: Toy Story 3. Zurück zu den richtig Erfolgreichen des Abends:

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(Foto: REUTERS)

The King's Speech räumte insgesamt vier Oscars in den Haupt-Kategorien ab (Bester Hauptdarsteller, Bester Film, Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch), Inception ebenfalls vier Oscars (in den genannten Nebenkategorien), es folgte The Social Network mit drei Oscars (für das Beste adaptierte Drehbuch, die Beste Filmmusik und den Besten Schnitt) und die Filme The Fighter und  Alice im Wunderland gleichauf mit je zwei Oscars.

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(Foto: REUTERS)

Für The Fighter wurden Christian Bale (der sich für die Rolle als drogenabhängiger Bruder eines Boxers auf Untergewicht heruntergehungert hatte) ...

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... und Melissa Leo mit den Nebenrollen-Oscars bedacht (hier übergeben von Kirk Douglas, der seine Laudatio, 94-jährig, sichtlich genoss).

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(Foto: REUTERS)

Tim Burtons Film Alice in Wonderland gewann die beiden Oscars für das Beste Kostümdesign und das Beste Szenenbild. Der Regisseur erschien, wie immer, zusammen mit seiner Frau Helena Bonham Carter - die persönlich, nämlich beim Nebenrollen-Oscar, ebenfalls leer ausgegangen war - in einem Outfit, das einmal mehr bewies, wie wenig Wert die beiden Künstler auf den Hollywood-üblichen Glanz legen. Ein modisches Statement ...

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... hatte die Britin Bonham-Carter aber dann doch für die Fotografen parat - passend zu ihrer eigenen Nationalität und dem Film, den sie vertrat: Sie spielt die Queen Mum in The King's Speech. Modisch gesehen, ...

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... war der Rest vom Fest sowieso in zwei recht überschauliche Lager eingeteilt: Da waren die weißen Schwäne wie Halle Berry (re.), die leer ausgegangene Hauptrollen-Oscar-Nominierte Michelle Williams (Mitte) und Schauspielerin Mandy Moore, ...

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(Foto: REUTERS)

... und die stolze Ehefrau des frisch geadelten Gatten, die italienische Filmemacherin Livia Giuggioli, ebenfalls im Schwanenkostüm. Und auf der anderen Seite, wie nach einer strengen Choreographie:

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Die schwarzen Schwäne, wie etwa die zum vierten Male leer ausgegangene Oscar-Nominierte Annette Bening, ...

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... schwarz und königlich auch Dame Helen Mirren, ...

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(Foto: dpa)

... Camila Alves, die Ehefrau des Laudators Matthew McConaughey, hatte auf dem roten Teppich mit ihrer schwarzen Schwanenrobe zu kämpfen ...

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(Foto: dpa)

... und Sharon Stone war schon länger nicht mehr auf der Leinwand zu sehen, hier aber umso schwärzer und schwaniger.

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(Foto: REUTERS)

Auch die Herren der Oscar-Schöpfung mussten in dieser Nacht nicht nur im üblichen Schwarz wie die Laudatoren Robert Downey Jr. und Jude Law (rechts), ...

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(Foto: REUTERS)

... sondern durften diesmal auch ganz in Weiß erscheinen, wie Laudator Josh Brolin und Javier Bardem, der ursprünglich auch einmal mehr für den Hauptrollen-Oscar nominiert war. Doch wer so hell strahlt, mit Penélope Cruz verheiratet und frisch gebackener Vater ist, wer braucht da noch einen Goldjungen? Etwas mehr Strahlkraft ...

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... hätte der Zuschauer gerne bei Celine Dion gesehen, die singenderweise den sterbenden Schwan spielte, und der eine Schauspielerin glatt den Rang absang:

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(Foto: REUTERS)

Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass Gwyneth Paltrow zunehmend besser singen kann als viele Kolleginnen der schmetternden Zunft - und so durfte auch sie einmal mehr auf der Bühne ein hübsches Liedchen hauchen. Das wäre fast ein echter Höhepunkt des Abends gewesen - wenn man sich nicht die ganze Zeit darüber hätte wundern müssen, warum die Schöne so viel Zeit unter der Sonnenbank verbracht hat, was ihr ehemals so zartes Äußeres höchstens noch erahnen ließ. Den echten Höhepunkt also musste dann doch ein alter Bekannter liefern:

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(Foto: REUTERS)

Schauspieler und Stand-up-Comedian Billy Crystal wird womöglich doch demnächst noch ein neuntes Mal die Oscars moderieren - denn als er zwischendurch auftrat und ein paar Witzchen riss, hatte er das Publikum sofort auf seiner Seite. Wie gesagt: Es war ein Abend der Klassiker.

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