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Ortskunde:Im neuen Rahmen

Am Kolumbusplatz bekommt man zu Espresso und Kuchen zeitgenössische Kunst serviert

Galerien können einschüchternd wirken - auch wenn man grundsätzlich Interesse an der Kunst hat. Da stellt man sich schnell einmal eine elitäre Kunstszene vor, Männer und Frauen, die am Champagner nippen und einen schief anschauen. Weil man vielleicht kein Werk ersteht und generell nicht ganz vertraut ist, ob und welche Benimmregeln zu beachten sind. Jelena Djordevic und Robert Clara haben sich mit der "Kunstgaleriebar KGB" dieser Hemmschwelle angenommen - mit dem Ziel, sie zu beseitigen.

Die Idee zur KGB entstand im Spätsommer 2017. Djordevic, die selbst als Künstlerin arbeitet, suchte nach einem Atelier. Am Kolumbusplatz fand die 49-Jährige dann gemeinsam mit Robert Clara das eigentlich perfekte Objekt. Für ein Atelier ist das ehemalige Elektrofachgeschäft aber zu groß. Und auch die Schaufenster sind für den ursprünglichen Zweck ungeeignet. "Wir wollten den Laden aber unbedingt", sagt Clara, "damit nicht die nächste SB-Bäckerei oder ein weiteres Designbüro die Fläche belegt, sondern die Gegend mit Kultur aufgewertet wird." Also spannten sie die Idee weiter, und hier kam Claras Passion ins Spiel: Der 52-Jährige hatte schon immer von einem Espressostand am Viktualienmarkt oder einer kleinen italienischen Kaffeebar geträumt.

KBG Bar

Im ehemaligen Elektrofachgeschäft stellen mittlerweile Künstler aus.

(Foto: Axel Gundermann)

Also kombinierte man beide Leidenschaften - die Kunst und den Kaffee -, was nicht nur platztechnisch von Vorteil war: "Ich hatte bei Ausstellungen und Messen immer wieder festgestellt, dass es bei Kunst immer etwas braucht, das die Menschen über diese virtuelle Schwelle bringt", erklärt Clara. Die KGB soll demnach ein Ort der Begegnung für Künstler und Kunstinteressierte sein, fernab von klassischen Galerien. "Wir wollten den Besuchern die Möglichkeit bieten, die Werke wie im heimischen Wohnzimmer auf sich wirken zu lassen." Die Betreiber wollen mit ihrem Konzept einen ungezwungenen Umgang mit Kunst ermöglichen. Daher ergänze sich die Kombination aus Café und Galerie so gut: Die Leute kommen für Espresso, selbstgebackene Kuchen oder andere regionale Bioprodukte, und bleiben wegen der Kunst.

Denselben unprätentiösen Leitgedanken verfolgen Djordevic und Clara auch bei der Auswahl ihrer Künstler. Kriterien wie Erfahrung oder bisherige Ausstellung spielen keine Rolle, so Djordevic, die als Kuratorin der KGB fungiert. Dafür hingegen Sympathie, denn es entsteht eine enge persönliche Zusammenarbeit mit den Künstlern. Auch ob es sich um Gemälde, Skulpturen oder andere Arten von zeitgenössischen Werken handle, sei nicht ausschlaggebend. "Kunst soll bei uns einfach Spaß machen, interessant, schön anzusehen und auch bezahlbar sein."

Der Künstler Georg Steidinger ist inspiriert von der Pop-Geschichte.

(Foto: Georg Steidinger)

Neben wechselnden Ausstellungen finden in der KGB Lesungen, Zeichenkurse oder andere kreative Events statt. Und auch Musik gehört zum festen Programm: Während es immer wieder kleinere Livekonzerte gibt, legen bei den Vernissagen und Finissagen wechselnde DJs auf. So auch bei der Eröffnung von Georg Steidingers Ausstellung, mit dem passenden Titel "Hang the DJ". Am 20. Februar ist dann ein eigener DJ-Abend geplant, dessen Motto "Jazz trifft auf Kunst, Kunst trifft auf Jazz" vom Verein "Jazzkultur München" umgesetzt wird. Ausgegraben werden dafür Vinyl-Raritäten aus der Sammlung des Vereins.

Steidingers Ausstellung ist dagegen sein persönlicher Remix aus der Musikgeschichte ab den Achtzigern. Dafür verbindet der Künstler traditionelle Malerei und Fotografie mit verschiedenen Drucktechniken, arbeitet mit Typografie und erschafft Collagen oder Installationen. Verschiedenste Songzitate tauchen so immer wieder auf; mal als überarbeitetes Plattencover, mal als Rauminstallation mit Sofa und Gitarre. Für ihn ist die KGB genau der richtige Ort für diese Art von Kunst. Durch die Verschmelzung von Kultur und Genuss wirke alles gleich viel lebendiger: "Dadurch kann ich ein breiteres Publikum erreichen, und die Kunst kommt dorthin, wo die Leute sind und nicht - wie im Kunstbetrieb üblich - umgekehrt."

Hang the DJ, Do., 13. Feb., 19 Uhr, Kunstgaleriebar, Oefelestraße 6

© SZ vom 13.02.2020
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