Wo ist Orlando? Der mit den schönen Beinen? Aus der Dunkelheit heraus strömen bunt durchmischte Bläsertöne, verdichten sich zu einem anschwellenden Cluster, einem Flächenklang, der durch kräftige Trommelschläge unterbrochen wird. Auf der Bühne drischt jemand mit einem Baseballschläger auf einen schwarz-roten Boxsack ein. Weiter vorn steht ein Baum, der bald von Frauen in Hemd und Hosen umtanzt wird. Orlando ist einer in diesem kindlichen Reigen, der im 16. Jahrhundert zur Zeit von Elisabeth I. beginnt und in der Gegenwart endet. Wie ernst dieser Abend gemeint ist, raunt eine Erzählstimme schon zu Beginn in den Raum: „The past only comes back when present runs to smoothly“ – die Vergangenheit wiederholt sich nur dann, wenn die Gegenwart zu langsam ist, zu nachgiebig, zu unentschlossen.
OperZum Glück endlich eine Frau
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Virginia Woolfs „Orlando“ spielt humorvoll mit Geschlechteridentitäten, Olga Neuwirths Vertonung zieht an Berlins Komischer Oper beeindruckend nach: ein Schelmenstück.
Von Helmut Mauró
