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Opernkritik:Sklave bleibt Sklave

Moritz Eggerts schöne Kammeroper "Caliban" in Erl

Andreas Leisner, der Interimsintendant der Tiroler Festspiele in Erl, hat Mut. Zur Eröffnung der Festspiele holte er als österreichische Erstaufführung Moritz Eggerts Kammeroper "Caliban" nach Tirol. Die Produktion der Jungen Oper Rhein-Main war Ende 2018 die deutsche Erstaufführung des Werks, das vor zwei Jahren in Amsterdam herauskam. Mut heißt, dass die drei "Aida"-Vorstellungen diesen Sommer natürlich voller sind. Aber wer das Neue nicht wagt, bleibt stehen.

Außerdem ist Eggerts Oper außerordentlich gut zu hören. Der Münchner Komponist hat ja oft einen gesunden Hang zur Albernheit - die hier völlig fehlt. Hier braucht es keinen Witz, um 75 Minuten spannende Oper zu kreieren. Grundgedanke ist, einer Figur, die bei Shakespeare, im "Sturm", nicht unbedingt im Mittelpunkt steht, die Würde umfassender Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Man könnte auch sagen, Eggert und sein Librettist Peter te Nuyl schreiben eine mögliche Interpretation des Dramas fest. Caliban dient dem garstigen Prospero, der ihm seine Insel raubte, und dessen Schwester Miranda, hofft auf Rache mittels der Neuankömmlinge Ferdinand, Stephano und Trinculo, die scheitert, weil er die Machtspielchen nicht versteht, er bleibt Sklave. Man hört viel Shakespeare im englischen Original, von Prospero (Josia Jacobi) nur gesprochen, von Michael Long (Caliban), Katharina Nieß (Miranda), Thomas Dorn (Ferdinand und Stephano) und Manuela Strack (Trinculo) plastisch und klangschön gesungen. Max Kochs Inszenierung versammelt die Menschen wie Treibgut am Strand, das schaut gut aus und funktioniert mit Rasanz und Präzision.

Die Musik erzählt. Die Kontrabassflöte malt Calibans Welt, ein Akkordeon erdet, viel Perkussion gibt es, auch Spieldosenmusik. Barock markiert die höfische Welt der Gestrandeten, es kann auch derb zugehen, es ist richtig gutes Musiktheater, sehr zur Nachahmung empfohlen. Man braucht nur elf Musiker und einen Dirigenten wie David Holzinger.