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Oper: Intendant Nikolaus Bachler:Ich wollte ganz bewusst weg aus Österreich

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Das Münchner Nationaltheater

SZ.de: Warum wollten Sie überhaupt weg vom Burgtheater, von Wien?

Ich wollte ganz bewusst weg aus Österreich, weil man in meinem Beruf nicht zu lange an einem Ort bleiben darf, weil der Input, der Austausch, die Lebendigkeit, die man kriegt, immer aus dem Ort, aus den Menschen vor Ort kommt. Außerdem bin ich Österreicher, und da muss man einfach weg.

Szene aus "McBeth"

Szene aus "Macbeth"

(Foto: Foto: Bayerische Staatsoper/oh)

SZ.de: Und jetzt, da Sie aus Wien nach München umgezogen sind, was denken Sie über diese Stadt?

Wenn man sich neu verliebt, ist erst einmal alles wunderbar. Ich finde momentan alles toll an München, weil die Stadt eben meine neue Geliebte ist.

SZ.de: Eine Jugendliebe, allerdings. 1972 haben Sie während der Olympischen Spiele in München gearbeitet.

Damals war ich noch Schüler, ich habe am Odeonsplatz gekellnert. Später habe ich an der Staatsoper gespielt - den Samiel im Freischütz. Es war übrigens eine Granatenpleite, damals.

SZ.de: Reizt es Sie, nochmal in eine Rolle zu schlüpfen?

Ich habe nicht vor, zu spielen. Es gibt Phasen im Leben und diese ist bei mir vorbei.

SZ.de: Jetzt beginnt Ihre Münchner Phase. Wie unterscheidet sich diese Stadt von Wien?

München ist keine Metropole. Das wirkt sich sehr aus. München ist einerseits sehr dörflich, andererseits sehr international.

SZ.de: München, ein internationales Dorf? Was bedeutet das?

Wien ist eine Ost-Metropole, München hingegen mediterran, so südlich. Das Leben findet in München - wie in Italien - grundsätzlich draußen statt. Wenn die Scheichs an die Maximilianstraße kommen, oder Italiener, oder Fußballfans, dann sieht man sie. In Wien sieht man das alles nicht, weil in Wien das Leben drinnen stattfindet. Dort hat man das Gefühl, da sind gigantische Fassaden eines ehemaligen Weltreichs und alles, was sich abspielt, passiert dahinter. Und dann hier in München: dieser ganze Schick, jeder zeigt alles her; seinen Lamborghini, den er noch nicht ganz bezahlt hat, seine neuen Klamotten.

SZ.de: Und das gefällt Ihnen?

Ja! Ich wohne zum Beispiel in Schwabing. Als ich gestern nacht nach Hause gegangen bin dachte ich mir: "Was müssen die Menschen alle viel Geld haben hier!" - auch die Studenten, die tun so, als wären sie alle reich und leben wunderbar.

SZ.de: Was hat dieses Dörflich-Internationale mit Theatralik zu tun?

München ist katholisch, und das Katholische hat an sich schon etwas Theatralisches.

SZ.de: Das Katholische hat aber auch etwas sehr Konservatives. Ausgerechnet hier wollen Sie die Oper revolutionieren?

Unsere Legitimation besteht nur darin, dass wir versuchen, zu widersprechen, Fragen zu stellen, Dinge aufzureißen, unbequem zu sein. Das geht umso besser, je konservativer, je gefestigter eine Gesellschaft gebaut ist. Eine solche Stadt ist ja geradezu ideal für das Theater, weil es da eine Antwort aus der Gesellschaft gibt.