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Oper:Im Schatten des Scarpia

Dorothee Koch in der titelgebenden Rolle der Floria Tosca singt mit enormer Leuchtkraft und Attacke, ist dagegen als Schauspielerin manchmal allzu neutral.

(Foto: Misha Jackl)

Puccinis "Tosca" hat in der Kammer-Version der "Opera incognita" in der Allerheiligen Hofkirche Premiere. Schauplatz des Geschehens ist Rom im Faschismus

Was für ein Te Deum ganz ohne Chor am Ende des ersten Akts von Puccinis "Tosca" in der Kammer-Version der "Opera incognita" in der Allerheiligen Hofkirche: Scarpia, der skrupellose Polizeichef, hat sich gerade am potentiellen Mord an Cavaradossi wie an der Verführung von dessen Geliebter berauscht, da steht er Spoletta, dem Handlanger des Bösen, gegenüber und beide singen sie das Lob Gottes als bestialisches Racheduett! Das Orchester enthält in kleiner, reiner Bläserbesetzung mit Arrangeur und musikalischem Leiter Ernst Bartmann am Flügel ebenfalls nur das Nötigste, doch nichts fehlt, im Gegenteil, so klingt manches deutlicher und schärfer. Auch die Bühne (Barbara Gruber) ist spartanisch eingerichtet: Wechselweise ein paar Stühle, Schreibtisch mit altem Telefon und ein Volksempfänger. Andreas Wiedermann inszeniert in der Apsis ein Geschehen im Rom des Faschismus, wofür auch das Libretto subtil angepasst wird, und setzt zu Beginn ein Zeichen: Statt der düsteren Akkorde des Scarpia-Motivs singt Tosca ein sentimentales Lied, das instrumental für die Umbauten wiederkehrt, ist sie doch schon bei Puccini gefeierte Opernsängerin.

Dorothee Koch singt Floria Tosca mit enormer Leuchtkraft und Attacke, ist dagegen als Schauspielerin manchmal allzu neutral, ganz anders ihr Geliebter Mario Cavaradossi. Der italienisch-mexikanische Tenor Rodrigo Trosino besitzt Schmelz, Eleganz und Durchschlagskraft in der Stimme, spielt aber auch ausgezeichnet, ähnlich dem Brasilianer Robson Tavares als Baron Scarpia, seinem Gegenspieler. Er trumpft hier mit mächtigem Bassbariton auf und verbirgt hinter blendendem Aussehen einen teuflischen Charakter. Spoletta, hier statt Tenor der Bariton Martin Summer, ist als gefährlicher Schreibtisch-Täter anlegt. Anders als bei Puccini tritt die Gräfin Attavanti, auf die Tosca so eifersüchtig ist, wirklich auf. Was für sinnliche Skizzen Cavaradossi von ihr zeichnet, führt Illustrator Stefan Dinter live vor. Per Beamer wird das auf die Rotunde der Apsis projiziert und auch später kommentiert er das Geschehen, zeichnet Mussolini ebenso wie Tosca als kleines Mädchen im Schatten des übermächtigen Scarpia oder plötzlich erscheint als Bild der hinter der Bühne erschossene Cavaradossi in seinem Blut.

Tosca , Freitag, 17. Mai, 20 Uhr, Allerheiligen Hofkirche; Samstag, 25. Mai, 20 Uhr, Theater am Hagen, Straubing

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